Die Umsatzsteuer bei Forderungsausfall

Üblicherweise wird die Umsatzsteuer spätestens fällig, wenn die Leistung erbracht ist. In der Praxis ist das meistens dann der Fall, wenn auch die Rechnung geschrieben wird (der typische Fall eines Soll-Versteuerers). Ausnahmen gibt es bei Ist-Versteuerern. Hier wird die Umsatzsteuer erst dann fällig, wenn der Kunde die Rechnung auch bezahlt hat. Doch wie verhält es sich, wenn der Kunde einen Teil der Forderung einbehält oder gar nicht zahlt? Die Umsatzsteuer ist in dem typischen Fall der Soll-Versteuerung bereits gezahlt. Im Folgenden werden diese beiden Fälle beschrieben.

Umsatzsteuer bei komplettem Forderungsausfall oder Uneinbringlichkeit der Forderung

In diesem Fall muss dem Finanzamt einfach in dem Zeitraum, in dem der Ausfall bekannt wird, die Umsatzsteuer um die bereits gezahlte Umsatzsteuer der ausgefallenen Forderung gekürzt werden. Der Grund ist einfach. Die Umsatzsteuer bemisst sich an dem berechneten Wert der Leistung. Das ist die Bemessungsgrundlage bzw. der Nettobetrag auf der Rechnung. Wenn die Forderung ausfällt wegen bspw. Zahlungsunfähigkeit des Schuldners wird der Wert pauschal auf null gekürzt. Die Forderung ist uneinbringlich und wertlos. Dementsprechend mindert sich auch die Umsatzsteuer. 19% von Null ist nun mal Null.

Umsatzsteuer bei Sicherungseinbehalt

Jetzt wird es interessant. Der BFH als höchstes deutsches Gericht der Finanzrechtsprechung hat kürzlich geurteilt, dass auch der in einigen Branchen typische Sicherungseinbehalt zur Kürzung der Bemessungsgrundlage führen kann. Achtung – KANN! Und zwar dann, wenn die Gewährleistungsansprüche nicht durch eine Bankbürgschaft abgesichert werden können. Achtung – wieder KANN! Die Konsequenz dieses Urteils ist, dass bereits in dem Zeitraum der Leistungserbringung die Umsatzsteuer um den Teil des Sicherungseinbehalts gekürzt werden kann.

Fazit

Wie auch immer der Forderungsausfall aussieht, in beiden Fällen gilt, wenn die Forderung letzten Endes bezahlt wird, ist die Umsatzsteuer dann doch fällig. Im Zweifel sollte der Zeitpunkt, wann eine Forderung tatsächlich als uneinbringlich gilt mit dem Steuerberater besprochen werden. In der Rechtsprechung und in den Verwaltungsanweisungen gibt es so einige Beispiele, die möglicherweise zweifelsfrei für oder gegen die Umsatzsteuerberichtigung sprechen.

Ein Kommentar zu “Die Umsatzsteuer bei Forderungsausfall

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