Mehrere Arbeitsstätten, Tätigkeitsstätten, Dienstverhältnisse und ihre Auswirkungen auf die Steuer

Grundsätzlich gilt im Reisekostenrecht ab 2014, dass jeder Arbeitnehmer nur eine erste Tätigkeitsstätte haben kann – pro Dienstverhältnis! Das bedeutet, dass bei mehreren Tätigkeitsstätten innerhalb eines Dienstverhältnisses die Behandlung von Fahrtkosten, Pendlerpauschale, Verpflegungsmehraufwand o.ä. mitunter zu verwirrenden Überlegungen führen muss. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, was jetzt überhaupt als Werbungskosten, Aufwand oder sonst steuerlich Bedeutsames zu beachten ist, habe ich diesen hoffentlich erhellenden Artikel geschrieben.

„Nur“ eine Tätigkeitsstätte

Das ist einfach – diese eine Tätigkeitsstätte ist die erste Tätigkeitsstätte. 😉 Der Ansatz der Pendlerpauschale (nur eine Arbeitsstrecke) und kein Verpflegungsmehraufwand ist die Konsequenz. Wer noch einmal nachlesen will, hierzu habe ich bereits den Artikel Pendlerpauschale ab 2012 geschrieben.

Befristete „Abordnung“

Die befristete „Abordnung“ an eine andere Betriebsstätte ist grundsätzlich auch nicht relevant. Es gibt zwar nun 2 Tätigkeitsstätten, jedoch ist unter dem Wort Abordnung zu verstehen, dass es sich nur um eine befristete Tätigkeit handelt. Somit ist die 1. Tätigkeitsstätte mit der Pendlerpauschale zu behandeln und die andere Tätigkeitsstätte nach Reisekostengrundsätzen. Das bedeutet Hin- und Rückweg zu 30 Cent, Verpflegungsmehraufwand für die ersten 3 Monate, Unterkunftskosten usw. Interessant wird diese Abordnung erst, wenn eine Dauer von mehr als 48 Monaten (4 Jahre) geplant ist. Dann wird per Gesetz eine Dauerhaftigkeit angenommen und eine Kostendeckelung (zumindest für Tätigkeitsstätten innerhalb Deutschlands) greift ein.

Mehrere erste Tätigkeitsstätten aufgrund mehrerer Dienstverhältnisse

Hier wird es kompliziert. Prinzipiell kann natürlich die Pendlerpauschale angesetzt werden für jede erste Tätigkeitsstätte. Sollte jedoch die Fahrt von der einen ersten Tätigkeitsstätte zur nächsten ersten Tätigkeitsstätte erfolgen, so wird der erste Weg als Umweg berücksichtigt. Rein praktisch kann man sich jedoch merken, dass maximal die halbierte Gesamtstrecke (also hin + weiter + weiter… + zurück) berücksichtigt werden kann. Der Umweg wird also in der Regel nicht voll angesetzt.

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2 Kommentare vorhanden in “Mehrere Arbeitsstätten, Tätigkeitsstätten, Dienstverhältnisse und ihre Auswirkungen auf die Steuer

  1. Hallo, das ganze ist wirklich verwirrend. Tätigkeitsstätte im ersten Halbjahr und andere Tätigkeitsstätte im 2. Halbjahr, also 2 Arbeitgeber. Wie ist das zu handhaben?
    Danke für Info. Beste Grüße

  2. Guten Tag, Herr Neumann,

    ich arbeite in einer Steuerkanzlei und bin momentan mit dieser Thematik beschäftigt.

    Es wird immer nur von der ersten Tätigkeitsstätte gesprochen.
    Was ist, wenn zB. ein Arzt von seiner Wohnung zur definierten ersten Tätigkeitsstätte fährt, von da aus zu einer weiteren Tätigkeitsstätte lt. Areitsvertrag, und von dort wiedder nach Hause?

    Vor der Reform des § 9 Abs. 4 EStG, als es noch „regelmäßige Arbeitsstätte“ hieß, waren m.E. die Fahrten von Asst. 1 und 2 von/zur Whng. im Rahmen der E-Pauschale anzusetzen, und die Fahrt von Asst. 1 zu Asst. 2 als Dienstfahrt somit Wk für den ArbN.

    Wie verhält sich das jetzt nach der neuen Rechtslage, § 9 Abs. 4 Satz 5 n.F. EStG für:

    – Fahrt Whg. zu Tät.st. 1
    – Fahrt Tät.st. 2 zu Whg.
    – Fahrt von Tät.st. 1 zu Tät.st. 2

    Ich konnte hinsichtlich des dritten Anstrichs keine Antwort finden,
    aber ich vermute mal, es hat sich für alle drei Fälle im Vergleich zur alten Rechtslage nichts geändert.

    Oder doch?

    Für eine kurzfristige Beantwortung bedanke ich mich im voraus.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Schulze

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