Bitcoins und die Steuer

Die Behandlung von Bitcoins aus steuerlicher Sicht ist auf den ersten Blick gar nicht so einfach. Bitcoins als digitales Geld, welches keinerlei staatlicher Kontrolle unterliegt, ist prinzipiell keine fremde Währung wie Dollar oder Yen. Dementsprechend unterliegt die bilanzielle Behandlung von Bitcoins nicht der gleichen wie ausländischer Währung. Bitcoins ist somit kein Geld, trotzdem es als Zahlungsmittel genutzt wird. Bei Entstehen einer Forderung oder einer Verbindlichkeit werden die Bitcoins lediglich als Tauschobjekt bzw. Rechengröße genutzt. Die Bewertung erfolgt mit einem Gegenwert in Geld, jedoch werden tatsächlich Bitcoins geliefert. Das Kürzel für Bitcoins lautet übrigens BTC. Soweit so gut! Sollte also mit Bitcoins gehandelt werden, ist die Bewertung erst mal klar. Jetzt kommt die Besonderheit. Viele Menschen „minen“ ihre Bitcoins. Das bedeutet, dass sie ihre Bitcoins selbst herstellen – steuerrechtlich ähnlich wie Geld drucken zu behandeln? Oder doch eher „Gold“ schürfen? In den folgenden Abschnitten betrachte ich die Herstellung der Bitcoins aus steuerrechtlicher Sicht und schließe mit der aktuellen Handhabung dieser Sachverhalte durch die Finanzverwaltung auch bezüglich der Konsequenzen für die Umsatzsteuer.

Bitcoins „minen“

Wie bereits beschrieben sind die Bitcoins nicht wie ausländische Währung zu behandeln. Das bedeutet zweierlei. Sollten Sie Bitcoins herstellen, dann erstellen Sie ein immaterielles Wirtschaftsgut zum Verkauf oder Tausch. Das bedeutet, dass sie prinzipiell unternehmerisch tätig werden. Was für eine unternehmerische Tätigkeit ist das eigentlich? Sie investieren Zeit und Ressourcen (Rechnerkapazität, Strom u.ä.), um im Endeffekt einen Gewinn zu erzielen durch die Herstellung bzw. anschließenden Verkauf der Bitcoins. Meines Erachtens handelt es sich nicht um die Gewinnung von Ressourcen wie beim Bergbau – der Begriff „minen“ assoziiert diesen Zusammenhang. Das fällt also schon mal raus. Eine freiberufliche Tätigkeit bzw. eine ähnliche Tätigkeit schließe ich ebenfalls aus, obwohl der Algorithmus zur Herstellung von Bitcoins äußerst kompliziert ist. Der mangelnde Einsatz eigener, geistigen Fähigkeiten bei der Herstellung des Geldes lässt diese Bewertung jedoch nicht zu. Die Herstellung von Bitcoins ist eine ganz „banale“ gewerbliche Tätigkeit. Der Kurs der Bitcoins unterliegt zurzeit noch großen Schwankungen. Diese Schwankungen führen meist dazu, dass der sofortige Verkauf dieser Bitcoins eher ein Verlustgeschäft ist und das Halten und spätere Verkaufen dieser Bitcoins gewinnbringend ist. Demzufolge würde der spätere Verkauf der Bitcoins zu einem Gewinn führen, der sofortige Verkauf möglicherweise zur steuerrechtlich nicht berücksichtigungsfähigen Liebhaberei (Hobby). Stichtag ist der Tag der Veräußerung und nicht der Herstellung.

Ein ebenso interessanter Aspekt ist, dass das private Kaufen und Verkaufen der Bitcoins zumindest nach einer Haltezeit von einem Jahr steuerfrei ist. Sie haben quasi ein Wirtschaftsgut erworben und veräußern es nach einem Jahr. Das ist ihr Privatvergnügen, es interessiert niemanden mehr. Ein Beispiel?

Sie stellen 2 Bitcoins her, die zum Zeitpunkt der Herstellung 500 Euro wert sind, und verkaufen diese innerhalb eines Jahres zu 2.000 Euro. Sie haben 2.000 Euro Einnahmen. Noch ein Beispiel?

Sie stellen 2 Bitcoins her, die zum Zeitpunkt der Herstellung 500 Euro wert sind, und entnehmen diese unverzüglich dem Betriebsvermögen. Die 2 Bitcoins sind zum Jahresende 2.000 Euro wert. Sie haben 500 Euro an Einnahmen zu berücksichtigen. Sollten Sie die Bitcoins innerhalb von einem Jahr veräußern, müssen Sie noch einmal 1.500 Euro Gewinn privat steuerlich berücksichtigen.

Sie kaufen 2 Bitcoins zu 500 Euro und verkaufen diese nach mehr als einem Jahr für 2.000 Euro. Dieser Gewinn ist nicht steuerbar. Es fällt keine Steuer an.

Sie kaufen 2 Bitcoins zu 500 Euro und verkaufen diese innerhalb eines Jahres für 2.000 Euro. Sie müssen den Gewinn von 1.500 Euro versteuern.

Zu berücksichtigen sind natürlich auch die Ausgaben, die anfallen.

Bitcoins und die Umsatzsteuer

Prinzipiell ist dieser Abschnitt nur für die Personen interessant, die Bitcoins herstellen, denn beim Handel mit Bitcoins sollte keine Umsatzsteuer anfallen. Da Bitcoins ähnlich wie Finanzderivate betrachtet werden, ist der der Tausch bzw. Umsatz mit diesem digitalen Geld von der Umsatzsteuer befreit. Da der Verkauf der Finanzderivate von der Umsatzsteuer befreit ist, kann auch der Verkauf nach der Herstellung nicht mit Umsatzsteuer belastet werden. Das bedeutet jedoch auch, dass man, trotzdem vielleicht ein Unternehmer entstanden ist, keine Vorsteuer vom Finanzamt erstattet bekommt. In dem Fall, indem ausschließlich steuerfreie Umsätze mit Bitcoins getätigt werden, kann auf bspw. die Stromrechnung keine Umsatzsteuer erstattet werden. Einzig die Herstellung von Bitcoins für einen anderen sollte der Umsatzsteuer unterliegen. In diesem Fall erbringt jemand für einen anderen eine Dienstleistung. Hier ist natürlich auch die Vorsteuer erstattungsfähig.

Umsetzung in der Finanzverwaltung

Dieser Abschnitt ist wirklich interessant. Wer sich ein wenig mit Bitcoins beschäftigt weiß, dass ein gewichtiger Vorteil für viele Nutzer die Anonymität ist. Das bedeutet aber auch, dass beim Tausch von Bitcoins auch innerhalb eines Jahres möglicherweise keine Gewinne erklärt werden, obwohl welche angefallen sind. Die Finanzverwaltung hat nicht wie im Bankenwesen die Möglichkeit, über Abfragen oder Mitteilung von Banken (welche Bank?) herauszufinden, wer welche Tauschgeschäfte ausgeführt hat. Dazu müsste es die Adressen aller „Wallets“ (Geldbörsen) wissen. Doch üblicherweise haben die Nutzer immer mehrere. Wie soll diese steuerrechtliche Regelung also durchgesetzt werden? Klarheit verschafft nur die Steuerehrlichkeit bzw. die Steuerfahndung. Prinzipiell aber für alle Steuerehrlichen eine nicht tragbare Situation nach dem Motto, wer seine Steuern erklärt… Nur noch mal der Hinweis – Steuerhinterziehung ist erst nach ca. (das ca. ist Absicht) 10 Jahren verjährt. Ich bin mir auch sicher, dass die Finanzverwaltung über kurz oder lang die Möglichkeit hat, diese Lücke zu schließen. Und wer sich wieder ein wenig mit Bitcoins beschäftigt weiß, dass man die Historie der Transaktionen nachvollziehen kann.

8 Kommentare vorhanden in “Bitcoins und die Steuer

  1. Sehr geehrter Herr Neumann,

    Vielen Dank für die Kurze Zusammenstellung.

    Mich beschäftigen aufgrund der sehr starken Wertsteigerung von Bitcoins die Frage, wie eigentlich der Einkauf mit den billig gekauften Bitcoins in Online-Shops zu behandlen ist wenn die einjährigen Haltefrist noch nicht abgelaufen ist.
    Muss man den Warenkauf als Veräußerungsgeschäft bewerten?

    Eine weitere vielleicht noch schwierigere Frage ist, wie muss man den Umtausch von Bitcoins in Altcoins (wie Litecoins) bewerten, wenn man Bitcoins zu einem günstigeren Preis erworben hat und nun entscheidet diese (vor Ablauf der Jahresfrist) und bei höherem Wert in z.B Litecoins umzutauschen. Es gibt einschlägige Online-Börsen, über die man ohne vorherige Veräußerung in Euro direkt Litecoins für Bitcoins tausche kann.

    Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir bei diesen Fragem weiterhelfen könnten.

    Viele Grüße
    P. Masche

    • Interessante Fragen, das muss ich sagen… 😉

      Die Antwort darauf sollte aber in beiden Fällen lauten, dass das Steuerrecht den originären Tausch kennt und somit über Umwege eine Veräußerung mit entsprechender Bewertung vornehmen kann. Im ersten Fall somit der Verkaufspreis in Euro, im zweiten Fall der Wert der Litecoins in Euro. So müsste meines Erachtens die Antwort lauten.

      mfg
      Johannes Neumann

  2. Hallo Herr Neumann,

    Danke für den interessanten Artikel.
    Ich habe eine Frage zum Verkaufen von Bitcoins, die privat selbst erzeugt wurden (mining).
    Ich bin nicht sicher, ob ich richtig verstanden habe, dass diese Bitcoins nach Ablauf der Jahresfrist auch steuerfrei sind.
    Könnte Sie nochmal erklären warum die erzeugten Bitcoins nach Ablauf eines Jahres nach der Erzeugung durch mining steuerfrei sind (falls ich Ihren Artikel richtig verstanden habe).

    Vielen Dank im Voraus
    Ch. Teubert

    • Hallo Herr Teubert,

      das liegt ganz exakt daran, ob das mining in Ihrem Fall tatsächlich privat ist. Das müsste man anhand der tatsächlichen Verhältnisse überprüfen. Wenn Sie Unternehmer sind und sich so verhalten, dann sind mögliche Gewinne (oder Verluste) auch steuerbar und steuerpflichtig. Im Zweifel (bei einem interessanten Wert) sollten Sie zur Sicherheit einen Steuerberater aufsuchen bzw. Ihren Steuerberater fragen.

      mfg

      Johannes Neumann

      • Hallo,

        was ist wenn man z.B 2012 10BTC durch mining „geschürft“ hat und diese dann 2014 verkauft.
        Ist das nun noch „privat“?
        Es ist ja seit Erzeugung mehr als ein Jahr vorbei. 10 BTC in diesem Beispiel sind ca 6000€ wert (zum Zeitpunkt des Schürfens waren dies aber nur 120€ wert).
        Müsste man da Steuern wegen des „schürfens“ zahlen oder ist es steuerfrei?

        • Hallo zurück,

          ich habe in meinem Artikel noch einmal 2 weitere Beispiele eingefügt. Hier wird das Problem vielleicht etwas klarer. Das eigentliche Problem ist jedoch, wird man durch das minen unternehmerisch tätig oder nicht und wie müsste man eine Privatentnahme dokumentieren. Bzw. wenn die Kurse wie aktuell sinken will man das ja vielleicht nicht um einen Verlust zu geltend machen zu können. Hier hilft in den meisten Fällen tatsächlich nur ein Gespräch mit dem Steuerberater, der den (Einzel-)Sachverhalt genauer prüfen kann.

          mfg

          Johannes Neumann

  3. Hallo zusammen,

    ein sehr interessanter Artikel, vielen Dank dafür. Ich hab jetzt schon einige Zeit im Internet geforscht, bin aber nicht fündig geworden. Ich betreibe gewerblich folgende Aktivitäten:

    1.) Kauf von Bitcoins auf einer entsprechenden Tradingplattform
    2.) Kauf von Cloud-Miningleistung (bei cex.io) mit den aus Schritt 1.) gekauften Bitcoins
    3.) Verkauf der in Schritt 2.) gekauften Cloud-Miningleistung gegen EUR.

    Jetzt muss ich die ganzen Transaktionen dazu in meiner EÜR unterbringen. Mein gewerblicher Status ist so, dass ich Umsatzsteuerpflichtig bin, da ich den jährlichen Umsatz von 17.500,00 EUR pro Jahr überschreite.

    Hier meine Fragen
    A.) Wie trage ich den Kauf von Bitcoins in die EÜR ein, sprich, sind hier auch die 19% Umsatzsteuer zu berücksichtigen?
    B.) Ist die Transaktion „Kauf von Cloud-Miningleistung gegen Bitcoins“ in der EÜR zu vermerken? Wenn ja, wie verhält es sich dort mit der Steuer? Ich stelle mir hier die Frage, ob diese Transaktionen überhaupt in die EÜR einzutragen sind, da ja hier keine Berührung zu EUR auftreten.
    C.) Die Transaktion „Verkauf von Cloud-Miningleistung gegen EUR“ ist meiner Meinung nach ganz normal mit 19% Steuer einzutragen. Ist das richtig so?

    Leider ist dieses Umfeld mit Bitcoins für meinen Steuerberater Neuland, sodass ich im Gespräch mit Ihm auch erstmal nicht weiter gekommen bin bzgl. dieser Fragen.

    Viele Grüße

    • Hallo,

      spät aber hoffentlich nicht zu spät…

      1. dies ist kein Forum für kostenlose Steuerberatung – hier werden lediglich Infomationen über allgemeine interessante Sachverhalte aus steuerrechtlicher Sicht erklärt.
      2. Dass ein Steuerberater sich nicht mit Bitcoins beschäftigt bzw. dass es für ihn Neuland ist, ist prinzipiell schade. Denn eigentlich sind Bitcoins, zumindest wie Sie aus Verwaltungssicht gesehen werden, ersteinmal einfach.
      3. Im Rahmen eines Mandats kann ich Ihnen sicherlich entsprechende Antworten geben.
      mfg

      Johannes Neumann
      Steuerberater

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