1. Tätigkeitsstätte im Reisekostenrecht ab 2014

Eine der wesentlichen Neuerungen im Reisekostenrecht ist die erste Tätigkeitsstätte. Ganz grob kann man sagen, sie ersetzt die regelmäßige Arbeitsstätte. Allerdings ist dieser kleine Unterschied zwischen den Worten Arbeitsstätte und Tätigkeitsstätte elementar. Durch diverse Urteile des BFH aufgeschreckt, der mehrmals die Arbeitsstätte als den Ort definiert hatte, wo jemand auch tatsächlich gearbeitet hat, musste der Gesetzgeber etwas ändern, sofern seine Auffassung von Arbeitsstätte eigentlich weiter gehen sollte. Und nun haben wir eine Tätigkeitsstätte. Hier kann man nicht nur arbeiten, hier kann man auch studieren oder sich aus anderen Gründen aufhalten. Noch ein winziges Detail ist neu. Es kann möglich sein, dass man gar keine 1. Tätigkeitsstätte hat.

Voraussetzungen für das Vorliegen einer 1. Tätigkeitsstätte

Entscheidend für das Vorliegen einer Tätigkeitsstätte ist, dass es sich um eine ortsfeste Einrichtung (also keine Flugzeuge, Fahrzeuge, Schiffe oder ein größeres Gebiet) handelt. Für alle mit Home-Office bzw. Heimarbeitsplatz gilt, da es sich hierbei nicht um eine ortsfeste Einrichtung des Arbeitgebers handeln kann, dass keine Tätigkeitsstätte am Heimarbeitsplatz vorliegt. Soll eine 1. Tätigkeitsstätte vorliegen gilt zu allererst die Zuordnung des Arbeitgebers, bzw. die arbeitsrechtliche Vereinbarung als Grundsatz. Nur wenn es keine arbeitsvertragliche Regelung gibt, greift eine gesetzliche Fiktion ein. Hierbei ist wichtig, dass der Arbeitnehmer an der Tätigkeitsstätte dauerhaft tätig werden soll. An dieser Stelle gibt es also erst einmal Entwarnung für alle Arbeiter mit Einsatzwechseltätigkeit. Auch künftig ist nicht die Entfernungspauschale (also nur ein Weg) sondern der Ansatz der Reiskostengrundsätze (also Hin- und Rückweg) als Werbungskosten zu berücksichtigen. Der zweite wichtige Punkt der Voraussetzungen ist das kleine, unscheinbare Wörtchen dauerhaft. Dauerhaft heißt, geplante 48 Monate Zuordnung des Arbeitnehmers zur Tätigkeitsstätte. Dauerhaft kann natürlich auch heißen, unbefristete Zuordnung oder bei einer befristeten Anstellung die Zuordnung über die komplette Zeit der Befristung. Das heißt aber auch, dass bei einer geplanten Tätigkeit von 36 Monaten und anschließenden Verlängerung um weitere 24 Monate keine Tätigkeitsstätte im Sinne des Gesetzes vorliegt, da die Planung jeweils weniger als 48 Monate betragen hat.

1. Tätigkeitsstätte bei einem Vollzeit-Studium

Ganz wesentlich bei diesem Abschnitt – es handelt sich um eine Vollzeit-Studium, das außerhalb des Dienstverhältnisses stattfindet. Nur dann oder bei fehlender arbeitsvertraglicher Zuordnung (das wäre merkwürdig) kann der Ausbildungsort eine 1. Tätigkeitsstätte sein. Grundsätzlich sollte man sich hier die Stundenanzahl 20 merken. Bei einer neben dem Studium nachgegangener Arbeit mit einer Arbeitszeit von weniger als 20h wird das Vollzeit-Studium auch steuerrechtlich als vollzeitlich angesehen und damit 1. Tätigkeitsstätte. Ganz wichtig hierbei – die 20h gelten als Durchschnittswert über die Dauer des gesamten Studiums. Das bedeutet allerdings bei einem Studium über eine Dauer von 4 Jahren erhebliche Anforderungen an das Finanzamt. Im Endeffekt kann man die durchschnittliche Stundenanzahl erst nach den 4 Jahren berechnen und erst jetzt die angefallenen Kosten (insbesondere Fahrtkosten bzw. Verpflegungsmehraufwand) nach Reisekostengrundsätzen oder als Pendlerpauschale (das wäre nur die Hälfte) berücksichtigen.

keine 1. Tätigkeitsstätte?

Dieser Fall wird von mir extra berücksichtigt, denn die Konsequenzen sind gravierend. Sie gelten für die Arbeitnehmer, denen keine 1. Tätigkeitsstätte zugeordnet werden kann. Sollte ein Arbeitnehmer bspw. keine arbeitsvertragliche Zuordnung zu einer Tätigkeitsstätte haben, greift grundsätzlich die gesetzliche Fiktion. Problematisch ist jedoch, wenn der Arbeitnehmer für die Dauer von weniger als 48 Monaten an einer anderen Betriebsstätte tätig ist und gleichzeitig bspw. 1 mal pro Monat an seine ursprüngliche Arbeitsstätte kommt um organisatorische Dinge zu klären. Einerseits ist grundsätzlich die gesetzliche Fiktion bindend, da keine arbeitsvertragliche Zuordnung existiert, andererseits sind die quantitativen Mindestvoraussetzungen an die 1. Tätigkeitsstätte (2 Tage pro Woche oder 1/3 der vereinbarten Arbeitszeit) nicht gegeben. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Werbungskosten der Fahrtstrecke zu Reisekostengrundsätzen (Hin- und Rückweg) angerechnet werden kann. Der Gesetzgeber hebt diese Fälle praktisch auf die Ebene der 1. Tätigkeitsstätte mit der entsprechenden steuerrechtlichen Behandlung (also Pendlerpauschale).

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6 Kommentare vorhanden in “1. Tätigkeitsstätte im Reisekostenrecht ab 2014

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  2. Hallo, ich hab mal eine Frage wegen der zuordnung einer Tätigkeitsstätte. Mein Mann ist im Ausdendienst tätig. Die zeitlichen Kriterien für die zuordnung erfüllt er nicht. Er ist jeden Tag bei einem bzw. bei mehrern Kunden. Und ins Büro fährt er nur zwei mal im Jahr hin. Seine Büroarbeit erledigt er immer vom häuslichen Arbeitszimmer aus. Das heisst doch das er keiner ersten Tätigkeitsstätte zu geordent werden kann. Er ist immer auswärts tätig und daher immer auf Dienstreise. Alle Fahrten sind Dienstfahrten dann fällt der geldwerte Vorteil nicht an. Oder?

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  5. Hallo, wie verhält es sich mit dem Verpflegungsmehraufwand bei mehreren Dienstverhältnissen am Tag? Der Stpfl. verlässt die Wohnung um 4:30Uhr, beginnt den Dienst um 5:00Uhr bis 9:00Uhr, fährt dann zur 2.Arbeit mit wechselnden Einsätzen, ohne 1. Tätigkeitsstelle,arbeitet bis 16:00Uhr und fährt dann nach Hause,wo er um 16:30Uhr eintrifft.Er ist somit 12 Stunden von zuhause weg. Er müßte doch Anspruch auf tgl. 12€ haben. Das Finanzamt sagt nein,wegen 2.Dienstverhältnissen.Hätte er nur einen Arbeitgeber wäre es o.k.! Das kann m.E. nicht sein, zum Nachteil des Arbeitnehmers.

    • Hallo,
      eine sehr spezielle Frage und leider zu wenig allgemein sondern vielmehr konkret zum Beantworten. In diesem Blog darf und will ich jedoch nur allgemein antworten. Ich muss Sie bitten, sich mit Ihrem Steuerberater darüber auseinanderzusetzen.

      viele Grüße
      Johannes Neumann

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