Sonderbetriebsvermögen – gut oder schlecht für die Steuer?

Ein wichtiger, grundlegender Bestandteil zuerst. Es gibt das Sonderbetriebsvermögen 1 und das Sonderbetriebsvermögen 2. Hierunter verbergen sich Vermögensgegenstände oder Schulden, die ausschließlich dem Unternehmer bzw. Gesellschafter zuzurechnen sind und nicht dem Unternehmen (eine Mehr-Personengesellschaft) des Gesellschafters bzw. Unternehmers. Sie dienen jedoch dem Unternehmen. Eine Unterscheidung erfolgt auf Grund eines einzigen Zusammenhangs. Im Sonderbetriebsvermögen 1 sind alle Vermögensgegenstände und Schulden, die dem Betrieb direkt dienen (bspw. ein vermietetes Grundstück). Im Sonderbetriebsvermögen 2 sind alle Vermögensgegenstände und Schulden, die dem Gesellschafter dienen (bspw. ein Darlehen, welches der Gesellschafter zum Zwecke des Erwerbs eines Mitunternehmeranteils aufgenommen hat). Alles schön und gut, doch was ist steuerlich günstig und was nicht?

Grundsätzliches

Prinzipiell ist hier zu bemerken, dass Sonderbetriebsvermögen natürlich Betriebsvermögen ist. Gleichzeitig bedeutet das, dass damit kein Privatvermögen mehr vorliegt. Mal abgesehen davon, dass dadurch auch Haftungsfragen berührt werden, werde ich nur die steuerlichen Auswirkungen darstellen. Wichtig ist zu wissen, wann Privatvermögen und Sonderbetriebsvermögen zu unterschiedlichen Besteuerungen führen.

Das Sonderbetriebsvermögen und die Abschreibung

Bei einem privaten Auto fallen zwar Kosten an, die sind jedoch üblicherweise auch „Privatvergnügen“ und, abgesehen von der Haftpflichtversicherung, steuerlich meist nicht relevant. Sollte das Auto im Sonderbetriebsvermögen stecken, dann sind die anfallenden Kosten (je nachdem, wie das vereinbart ist) sowie die Abschreibung Sonderbetriebsausgaben und kein Privatvergnügen mehr. Sollte für die Überlassung des Autos ein Entgelt gezahlt werden, muss das natürlich als Sonderbetriebseinnahme ebenso berücksichtigt werden. Das gleiche gilt für ein Grundstück im Sonderbetriebsvermögen. Hier steht die Miete auf der einen Seite und die Abschreibung sowie die weiteren Kosten auf der anderen Seite.

Ein Beispiel für das Auto:

Möglichkeit 1 – Sonderbetriebsvermögen: Nutzung des Autos durch das Unternehmen mit einer Nutzungsvereinbarung und „Mietzahlung“

Der Gesellschafter (Autobesitzer) erhält Sonderbetriebseinnahmen und hat Sonderbetriebsausgaben. Im Endeffekt sollte ein positives Ergebnis herauskommen.

Die Gesellschaft hat Betriebsausgaben in Höhe der Mietzahlungen und weiterer Ausgaben.

Möglichkeit 2 – Privatvermögen: Nutzung des Autos durch den Betrieb nach Bedarf, Abrechnung nach Kilometer

Der Gesellschafter erhält bei einer kilometergenauen Abrechnung für Dienstfahrten 30 Cent oder weniger pro Kilometer. Es liegen weder Sonderbetriebseinnahmen noch Sonderbetriebsausgaben vor. Bei höheren tatsächlichen Kosten, kann auch ein höherer Satz abgerechnet werden.

Das Unternehmen hat Betriebsausgaben in Höhe der Abrechnung.

Fazit Sonderbetriebsvermögen vs. Privatvermögen

Als steuerlich besseres Ergebnis für den Gesellschafter, da durch das Ergebnis Null Einnahmen herauskommen, ist das Auto im Privatvermögen zu beurteilen. Als unternehmerisch erstrebenswerter wird jedoch das Auto im Sonderbetriebsvermögen gesehen. Denn hier ist eine Einnahme zu verzeichnen, die zwar Steuern nach sich zieht, jedoch auch mit Steuerlast positiv ist. Unternehmerisch erstrebenswert soll gleichzeitig als indirekter Hinweis verstanden werden, dass man hier unternehmerisch tätig wird und eventuell Umsatzsteuer zu berücksichtigen ist. Ergebnis also wie so oft, mehr Steuern sind gut fürs Geschäft (kleiner Scherz). Höhere Einnahmen bei dem Gesellschafter bedeuten natürlich im Umkehrschluss höhere Ausgaben und demzufolge ein niedrigerer Gewinn bei dem Unternehmen. Je nachdem, welches Ziel der Gesellschafter hat, sollte also verfahren werden.

Beachten Sie bitte auch die Besonderheiten bei einem Grundstück im Sonderbetriebsvermögen in meinem nächsten Artikel: Betriebsaufspaltung – was ist das?

2 Kommentare vorhanden in “Sonderbetriebsvermögen – gut oder schlecht für die Steuer?

  1. Pingback: Betriebsaufspaltung - was ist das? | Taxdocs Blog

  2. Ich habe lange im Internet nach steuerlichen Vorteilen des SBV I und SBV II gesucht und diese Website ist die einzige, die diese Vorteile anreißt. Wäre es möglich solche steuerlichen Vorteile für einen Betrieb noch mal simple und anhand eines Beispiels für nicht „steuerbegabte“ zu erläutern?

    Ich bedanke mich schon mal im Vorraus für Ihre Antwort

    Mit freundlichen Grüßen
    Max

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.