Gegenwerttheorie ist bei außergewöhnlicher Belastung nicht mehr gegenwärtig

Das war’s! Die Gegenwerttheorie ist obsolet, einfach weg, fertig! Wieder ein Fall mehr auf der Liste: geänderte Rechtsprechung! Worum geht es genau? Außergewöhnliche Belastungen sind, wie der Name schon sagt, nicht eben typisch. Man kann sich gegen diese Belastung nicht wehren. Es existiert ein Zwang. Im Zusammenhang mit der Gegenwerttheorie ist hier z.B. ein Gebäudeumbau aufgrund einer Erkrankung bzw. die Umrüstung eines Autos gemeint. Sollte ein Steuerpflichtiger z.B. sein Haus umbauen müssen, weil er oder ein Mitbewohner (im steuerlich besten Fall Angehöriger) durch eine Krankheit oder einen Unfall gewisse Einschränkungen erleidet, die ein normales Leben in der jetzigen Wohnsituation nicht zulassen, dann können die Kosten der außergewöhnlichen Belastung (Umbau) steuerlich von den Einkünften abgezogen werden. Wenn nun ein ärztliches Testat einen Umbau für günstig erachtet und empfiehlt, dann können diese außergewöhnlichen Belastungen ein wenig gemindert werden. Bisher war die Gegewerttheorie ein Posten, der die außergewöhnlichen Belastungen steuerlich (nicht auf dem Konto) noch einmal minderte. Nun gibt es eine geänderte Rechtsprechung zum Thema.

Gegenwerttheorie – was war (ist) das?

Die Gegenwerttheorie sagt aus, wie hoch die Differenz zwischen dem ursprünglichen Vermögenswert und dem Vermögenswert nach dem Umbau (wenn ich das Beispiel von oben nehme) ist. Dieser Vermögenszuwachs wurde nicht als außergewöhnliche Belastung anerkannt, da ein Vermögenszuwachs ja eine Wertsteigerung ist und nicht eine Belastung. Die Argumentation läuft allerdings ins Leere, wenn man in einer Zwangslage nun einmal diese außergewöhnliche Belastung tragen muss und zwangsweise auch die „Wertsteigerung“. Auf die „Wertsteigerung“ würde sicherlich oftmals vermieden werden, wenn die Möglichkeit bestünde. Da das nicht der Fall sein kann, wird auch die zwangsweise „Wertsteigerung“ als außergewöhnliche Belastung akzeptiert und von den Einkünften abgezogen.

Ein Beispiel:

Der Steuerpflichtige hatte einen Unfall und kann sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Er lässt sein Haus für 100.000 Euro umbauen. Das Haus hatte vor dem Umbau einen Wert von 100.000 Euro und nach dem Umbau einen Wert von 150.000 Euro. Somit ist nach altem Recht mit Gegenwerttheorie die außergewöhnliche Belastung 50.000 Euro und nach neuem Recht ohne Gegenwerttheorie die außergewöhnliche Belastung  100.000 Euro.

Allgemeine Hinweise zur außergewöhnlichen Belastung

Als Hinweis soll nicht unerwähnt bleiben, dass natürlich jeder Steuerpflichtige auch eine gesetzlich festgeschriebene Belastungsgrenze hat. Nur beim Überschreiten dieser Grenze ist eine steuerliche Anerkennung der Kosten zumindest insoweit möglich. Auch eine doppelte Anerkennung, z.B. einmal als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben und dann als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastung, ist ebenfalls unzulässig.

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