Betriebsaufspaltung – was ist das?

Bei einer Betriebsaufspaltung werden zwei Dinge von der Finanzverwaltung getan. Die unternehmerische Betätigung eines Gesellschafters als solche wird umfassend betrachtet und gewerbliche Einkünfte färben auf nicht gewerbliche Einkünfte ab. Wie in dem vorigen Artikel „Sonderbetriebsvermögen – gut oder schlecht für die Steuer?“ erklärt, gibt es Besonderheiten bei der Vermietung von Grundstücken, die im Sonderbetriebsvermögen stecken. Das Problem dabei ist die Betriebsaufspaltung, die man nicht erkennt. In jedem anderen Fall ist die Betriebsaufspaltung eine bekannte Größe und man kann mit ihr rechnen und planen. Ich fang mal vorne an mit einem einfachen Beispiel. Es gibt ein Grundstück und es gibt eine Kapitalgesellschaft (bspw. eine GmbH), die kraft Gesetzes gewerbliche Einkünfte hat und dieses Grundstück mietet. Demzufolge wird für die Kapitalgesellschaft (natürlich nur bei einem Gewinn) und möglicherweise beim Gesellschafter Gewerbesteuer erhoben, obwohl der eigentlich Vermietungseinkünfte hat, die nicht der Gewerbesteuer unterliegen. Für diese steuerliche Konsequenz gibt es zwei Voraussetzungen.

Sachliche Verflechtung der Betriebsaufspaltung

Mit Sachlicher Verflechtung wird direkt auf das Grundstück Bezug genommen. Das Grundstück muss eine wesentliche Betriebsgrundlage für die Kapitalgesellschaft darstellen. Üblicherweise wird das einfach mal so angenommen. Nur in Ausnahmen wird die Eigenschaft als wesentliche Betriebsgrundlage verneint. Ohne Sachliche Verflechtung gibt es keine Betriebsaufspaltung.

Personelle Verflechtung der Betriebsaufspaltung

Wichtiger, weil undurchsichtiger, ist die personelle Verflechtung. Hier muss prinzipiell von einer Personenmehrheit ausgegangen werden. Als einfaches Beispiel soll gelten, dass der Gesellschafter zu 100 % an der Kapitalgesellschaft beteiligt ist und zu 100 % Eigentümer des Grundstücks ist. In diesem Fall ist eine personelle Verflechtung gegeben. Dasselbe Ergebnis tritt auch ein, wenn z.B. zwei oder mehr Gesellschafter mehrheitlich am Grundstück und gleichzeitig auch mehrheitlich bei der Kapitalgesellschaft beteiligt sind. Auch in diesem Fall ist eine personelle Verflechtung gegeben. Hier gibt es eine umfangreiche Rechtsprechung zu, die die unterschiedlichsten Konstellationen als personelle Verflechtung berücksichtigen oder auch nicht. Wer sichergehen will, sollte einen Steuerberater in Anspruch nehmen. Auch hier gilt, ohne personelle Verflechtung gibt es keine Betriebsaufspaltung.

Ergebnis der Betriebsaufspaltung

Das Ergebnis der Betriebsaufspaltung ist immer gleich. Gewerbesteuer! Was das tatsächlich kostet, habe ich unter anderen in dem Artikel: „Gewerbesteuer – was kostet sie wirklich!“ erklärt. Das viel gravierendere Ergebnis ist jedoch versteckt. Es besteht die Möglichkeit, dass ein vorher privates Grundstück plötzlich durch die Betriebsaufspaltung Sonderbetriebsvermögen wird. Natürlich nicht Sonderbetriebsvermögen der Kapitalgesellschaft, das ist nicht möglich. Aber Sonderbetriebsvermögen eines nicht erkannten Einzelunternehmens, dessen einziger Zweck die Vermietung des Grundstücks ist. Die Einlage des Grundstücks muss zu Beginn der Betriebsaufspaltung bewertet und möglicherweise versteuert werden. Noch eine andere Konsequenz geht dabei leicht unter. Die Anteile an der Kapitalgesellschaft werden durch die Betriebsaufspaltung ebenfalls Sonderbetriebsvermögen. Ausschüttungen von Kapitalgesellschaften oder Veräußerungen von Anteilen an Kapitalgesellschaften im Betriebsvermögen unterliegen dem Teileinkünfteverfahren. Wenn ich jetzt noch weiter denke, dann wird die Betriebsaufspaltung irgendwann einmal beendet (z.B. wird die GmbH verkauft) und das Grundstück wird aus dem Betrieb wieder entnommen. Auch hier sind steuerliche Konsequenzen zu berücksichtigen. Alles in Allem ist die Betriebsaufspaltung ein Konstrukt, welches man im Auge behalten und in seine unternehmerischen Entscheidungen einbeziehen sollte, denn im Zweifel sind die finanziellen steuerlichen Konsequenzen für den Unternehmer fatal oder sogar vorteilhaft.

2 Kommentare vorhanden in “Betriebsaufspaltung – was ist das?

  1. Pingback: Sonderbetriebsvermögen - gut oder schlecht für die Steuer? | Taxdocs Blog

  2. Hallo Herr Neumann
    Das Thema ist ja wirklich komplex. Ich lege noch eins drauf und würde mich sehr über ihren Kommentar freuen:
    GmbH A legt selbst geschaffene Software in Tochter GmbH B als stille Einlage ein. Problem: aufgrund des Bilanzierungsverbots für selbst geschaffene Wirtschaftsgüter hat diese keinen Wert in der Bilanz von A. Wie ist sie nun als Sbv 1 zu bewerten? Führt die Einlage zu einer Einnahme von A? Kann B das Sbv abschreiben?
    Vielen Dank und freundliche Grüße, J. Mey

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *