Betriebsausgaben bei einer Weiterbildung

Für einen uneingeschränkten Abzug der Kosten als Betriebsausgaben bei der Finanzierung einer Weiterbildung durch den Unternehmer gelten ein paar Bedingungen, die man beherzigen sollte. Die Kosten der Weiterbildung für den Unternehmer selbst sind üblicherweise Betriebsausgaben. Bei einer Weiterbildung von Angestellten und der Übernahme der Kosten durch den Unternehmer stellt sich die Frage, ob nicht eine Zuwendung vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer vorliegt und somit Lohn. Lohn ist zu versteuern und der Sozialversicherung zu unterwerfen und im Falle der Zuwendung als Betriebsausgabe nicht immer abzugsfähig. Die Frage, die in diesem Artikel behandelt wird ist, bei welcher Art von Weiterbildung die Betriebsausgaben möglicherweise nicht so ohne weiteres anerkannt werden und was man unternehmen muss, damit es zur Anerkennung der Kosten als Betriebsausgaben und nicht zur Hinzurechnung von Lohn kommt. Ganz zum Schluss folgt ein kleiner aber feiner Hinweis, wie eine eventuelle Freistellung für die Weiterbildung ohne Extrakosten für die Krankenversicherung erfolgen könnte.

Grundlegende Voraussetzung – das überwiegende betriebliche Interesse

Für den Abzug als Betriebsausgabe ist grundlegende Voraussetzung, dass ein grundlegendes betriebliches Interesse daran besteht, dass der Arbeitnehmer die Weiterbildung durchführt. Die Weiterbildung sollte also zum Ziel haben, dass der Arbeitnehmer die erworbene Qualifikation oder das erworbene Wissen im Unternehmen gewinnbringend einsetzen kann. Wenn ein Steuerberater beispielsweise seine Angestellten zu Seminaren schickt, die als Themenschwerpunkt das aktuelle Steuerrecht und „möglicherweise“ die ein oder andere Änderung desselben beinhalten, dann dürfte prinzipiell ein grundlegendes betriebliches Interesse bestehen. Wenn jedoch ein Angestellter eine „Sprachreise“ nach Hawaii machen muss, jedoch kein einziger hawaiianischer Mandant weder jetzt noch in Zukunft vorhanden ist, könnte man berechtigterweise eher eine Belohnung als eine Weiterbildung vermuten. Der Abzug der Kosten als Betriebsausgaben ist somit nicht zulässig. Gleichzeitig muss eine Hinzurechnung zum Lohn erfolgen. Manche kennen auch den Begriff Incentive-Reisen, der sich in diesem Zusammenhang eingeprägt hat.

Fall 1 – Betriebsausgaben bei Tagesseminaren

Der klassische Fall – ein Tagesseminar. Hier kann sich alles Mögliche darunter verbergen. Ein neues Computerprogramm wird vorgestellt, eine Anwendung wird geschult, aktuelles Wissen wird vermittelt oder oder oder. Das überwiegende betriebliche Interesse wird hier in den meisten Fällen gegeben sein. Die Betriebsausgaben für die Weiterbildung dürften ohne weiteres möglich sein. Selbst wenn im Nachhinein festgestellt wird, dass die Weiterbildung eher eine Zeitverschwendung war, so war doch eine andere Erwartungshaltung vorhanden.

Fall 2 – per Weiterbildung zum höher qualifizierenden Abschluss

Die Maßnahmen, die nicht nur eine Weiterbildung sondern gleichzeitig eine Fortbildung und einen eventuellen höher qualifizierenden Abschluss beinhalten, dienen einer besonderen Berücksichtigung in diesem Artikel. Solche Weiterbildungsmaßnahmen sind häufig sehr kostspielig und gehen entsprechend über einen längeren Zeitraum. Kosten von über 10.000 Euro sind hier keine Seltenheit. Möglicherweise stehen mit Übernachtung und Reisekosten noch andere Betriebsausgaben an. Wo hört in diesem Fall das überwiegende betriebliche Interesse des Unternehmers auf? Das überwiegende betriebliche Interesse ist normalerweise dann gegeben, wenn der Arbeitnehmer, der die Weiterbildung besucht, sich verpflichtet, für einen Zeitraum von 3 Jahren diese Qualifikation gewinnbringend im Unternehmen einzusetzen. Die Betriebsausgaben sind in einem solchen Fall abzugsfähig. Andernfalls kann möglicherweise eine Zuwendung entstehen und zu versteuernder Lohn. Wichtig in einem solchen Fall ist meines Erachtens die vorherige Abstimmung mit Ihrem Steuerberater. Der kann für den Einzelfall sagen, ob eine Verpflichtung notwendig ist oder nicht. Eine Pauschalierung kann ich hier leider nicht geben. Wer die Betriebsausgaben sicherstellen will, sollte eine entsprechende Vereinbarung für die Weiterbildung mit den Arbeitnehmer treffen.

Krankenversicherung bei einer Freistellung

Sollte der Arbeitnehmer für den Zeitraum der Weiterbildung unentgeltlich freigestellt werden, dann werden in dieser Zeit auch keine Krankenversicherungsbeiträge bezahlt. Nach 4 Wochen ist der Arbeitnehmer nicht mehr krankenversichert. Aufgrund der bestehenden Krankenversicherungspflicht muss der Arbeitnehmer sich in dieser Zeit zusätzlich krankenversichern. Eine Möglichkeit ist die vorherige Vereinbarung eines Arbeitszeitkontos. Beispielsweise wird bei einer halbjährlichen Weiterbildung mit gleichzeitiger, unentgeltlicher Freistellung die Arbeitszeit und das Entgelt für ein Jahr auf die Hälfte reduziert. Der Arbeitnehmer arbeitet jedoch voll weiter, solange er da ist. Somit wird aus der unentgeltlichen Freistellung eine entgeltliche und die Krankenversicherung besteht weiterhin.

3 Kommentare vorhanden in “Betriebsausgaben bei einer Weiterbildung

  1. Hallo,
    vielen Dank für diese informative Aufstellung. Es ist wichtig, dass Selbstständige bei der Weiterbildung die Möglichkeiten der steuerlichen Absetzbarkeit wissen.
    Viele Grüße
    Christian

  2. Aufwendungen für Fortbildung des Unternehmers und dessen Mitarbeiter werden in der Regel automatisch im Rahmen der Buchhaltung als Betriebsausgaben erfasst.

    Die Notwendigkeit der Prüfung, ob bei den Kosten für eine (Mitarbeiter-)Fortbildung überhaupt ein betriebliches Interesse vorliegt, wurde sehr verständlich und einleuchtend erklärt.

    So passiert es einem Steuerfachangestellter doch sicher immer mal wieder, dass man sich nicht bei jedem Sachverhalt Gedanken macht, ob die entscheidenden Kriterien des Betriebsausgabenabzuges überhaupt erfüllt werden.

    Ein sehr empfehlenswerter Artikel, denn er regt wirklich zum Nach- und Überdenken an!

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