Student, Werbungskosten, Sonderausgaben – was ist steuerlich absetzbar?

Die Kosten für ein Studium sind vielfältig und entweder werden die Kosten vom Studenten selber gezahlt oder ein Dritter, z.B. die Eltern des Studenten oder ein Unternehmen, übernehmen einen Teil der Kosten. Ich werde für jede dieser drei Möglichkeiten erläutern, was denn eigentlich aus steuerlicher Sicht möglich ist. Prinzipiell können die absetzbaren Kosten alle Aufwendungen sein, die durch das Studium verursacht sind und deswegen anfallen. Bspw. sind Fahrtkosten, Arbeitsmittel (Papier, Schreibmittel, PC, Drucker…), Semestergebühren und Verpflegungskostenmehraufwand absetzbar. Eine doppelte Haushaltsführung ist ebenfalls möglich. Bei diesen Kosten ist jedoch die Änderung des Reisekostenrechts ab 2014 zu berücksichtigen. Es gibt kleine aber feine Unterschiede.

Sonderausgaben oder Werbungskosten für den Studenten

Wenn der Student mit dem Studium seine Erstausbildung abschließen will, dann kommt prinzipiell nur ein Sonderausgabenausgabenabzug in Frage. Im Gegensatz zu Werbungskosten sind Sonderausgaben nur bis zur Höhe der Einkünfte möglich. Das bedeutet, man kann keinen Verlust machen, der eventuell auch die Steuerlast der Folgejahre mindern würde. Im Fall der Erstausbildung eines Studenten ist der Sonderausgabenabzug zusätzlich noch bei 6.000 Euro begrenzt. Auswirkungen sind somit erst bei einem jährlichen Einkommen oberhalb des Grundfreibetrags (vor 2013: 8.004 Euro, 2013: 8.130 Euro, ab 2014: 8.354 Euro) zu spüren. Denn erst ab diesem Betrag können normalerweise überhaupt Steuern anfallen. Sollten Sie Student sein und Steuern bezahlt haben, obwohl Sie weniger verdient haben (das ist keine Seltenheit, sondern eher die Regel), dann bekommen Sie (üblicherweise) durch die Einkommenssteuererklärung auch ohne die Sonderausgaben die Steuern zurückerstattet. Minijobs (auf 450 Euro-Basis) zählen nicht zum Einkommen, wenn der Arbeitgeber 2% Lohnsteuer pauschal abführt (das ist die Regel). In zwei Fällen sind jedoch die gesamten Kosten als Werbungskosten (also auch bis in den Verlust hinein) absetzbar. Das Studium ist Bestandteil einer Bildungsmaßnahme aus einem Angestelltenverhältnis heraus oder es ist nicht die erste Ausbildung. Beispielsweise hat der Student bereits eine kaufmännische Ausbildung vor seinem BWL-Studium abgeschlossen, oder der Medizinstudent ist bereits zum Pfleger oder zu einer Krankenschwester (in diesem Fall ist es natürlich die Medizinstudentin) ausgebildet.

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Der Student und die steuerlichen Möglichkeiten der Eltern

Für Eltern gibt es wenig zu holen, wenn sie die Kinder im Studium finanziell unterstützen. Prinzipiell ist bei einer auswärtigen Unterbringung des Kindes ein Freibetrag in Höhe von 924 Euro absetzbar. Zumindest in dem Fall, indem das Kind bzw. der Student auch ein Kind im steuerrechtlichen Sinne ist. Davon auszugehen ist meistens dann, wenn für das Kind noch Kindergeld gezahlt wird. Wenn der Student kein Kind mehr ist (nur im steuerrechtlichen Sinne gesehen), kann man die tatsächlich geleisteten Zahlungen als außergewöhnliche Belastung ansetzen. Maximal ist dieser Betrag jedoch an das Existenzminimum gekoppelt, der mit dem Grundfreibetrag einhergeht. Derzeit stehen im Gesetz jedoch noch 8.004 Euro – mal sehen, wann das geändert wird… (und das muss es, weil es sonst verfassungswidrig ist). Die abzugsfähigen Aufwendungen können jedoch auch über die Höchstgrenze steigen, wenn für den Studenten Kranken- oder Pflegeversicherungsbeiträge gezahlt werden, bzw. können die Aufwendungen auch sinken, sofern der Student mehr als 624 Euro im Jahr hinzuverdient. Achja – ab einem Vermögen des Kindes jenseits der 15.500 Euro können die außergewöhnlichen Belastungen nicht mehr geltend gemacht werden. Noch ein kleiner Nachsatz zur außergewöhnlichen Belastung – die Eltern müssen in diesem speziellen Fall nicht über ihre individuelle Belastungsgrenze kommen, um das Studium berücksichtigen zu können und der Student darf nicht mehr als 15.500 Euro Vermögen haben.

Das Studium vom Unternehmen finanziert

In diesem Fall sind die Aufwendungen Betriebsausgaben. Alle übrigen Ausgaben, die der Student alleine trägt, sind Werbungskosten. Bei solchen Konstellationen muss jedoch in bestimmten Bereichen aufgepasst werden. Bei Arbeitsverträgen unter Angehörigen muss zwingend ein Fremdvergleich ohne Einschränkungen möglich sein.

22 Kommentare vorhanden in “Student, Werbungskosten, Sonderausgaben – was ist steuerlich absetzbar?

  1. Pingback: Student mit Nebenjob - und die Steuern und Sozialabgaben? | Taxdocs Blog

  2. Guten Tag, ich habe eine Frage zu dem Absetzen des Studiums als Werbungskosten!

    Ich möchte nächstes Jahr (im Ausland) ein Studium beginnen. Eine Freundin hat mich nun darauf aufmerksam gemacht, dass ich durch das Erlernen einer Ausbildung (z.B. Taxifahrer- Schein oder Ausbildung zum Fußballtrainer) das Studium als Weiterbildung zählt und ich desweiteren die Kosten im Studium als Werbungskosten absetzen kann.

    Ist diese Information korrekt? Und falls ja, welche Arbeitsbereiche mit einer solchen Kurzausbildung zählen dazu?
    Denn im Studium würde ich ja auch trotz eines solchen Scheines „Erststudium“ bei der Immatrikulation auswählen.

    Für eine unverbindliche Auskunft bei diesen Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden, da ich trotz einiger Recherchen keine Antwort auf meine Fragen finden konnte.

    • Die Antwort darauf fällt mir jedenfalls sehr leicht. Allerdings ist mir die geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen laut Steuerberatungsgesetz untersagt, da ich noch kein Steuerberater bin. Andererseits wären kostenlose Beratungsleistungen auf Dauer auch unwirtschaftlich. Da ich Ihnen jedoch mit dem Artikel nicht weiterhelfen konnte, empfehle ich, jemanden zu fragen, der sich (im Gegensatz zu Ihrer Freundin) damit auskennt und Ihnen antworten darf.
      mfg
      Johannes Neumann

  3. Hallo meine Frage ist meine Tochter (23Jahre) studiert in einer anderen Stadt sprich sie musste sich eine Wohnung suchen. Da sie bis auf Kindergeld und €50 von Oma kein Einkommen hat (kein Anspruch auf Bafög) unterstützen wir sie jeden Monat mit €200. Können wir dies bei der Einkommenssteuer-Erklärung absetzen ? Danke.

      • Hallo,

        üblicherweise führe ich keine Steuerberatung durch. Da ich noch kein Steuerberater bin, darf ich das auch gar nicht. Die Antwort Nein, kann man jedoch so nicht stehenlassen. Möglicherweise ist ist es möglich, mindestens in Höhe einer Pauschale. Für eine korrekte Beantwortung sind jedoch noch genauere Informationen notwendig.

        mfg

        Johannes Neumann

  4. Pingback: Anonymous

  5. Hallo Herr Neumann,

    besten Dank für Ihre interessante Veröffentlichung! Ich habe dazu noch eine Frage: Ist es für einen Studenten auch nach Abschluss seines Studiums möglich, die entstandenen „Ausbildungskosten“ (Bachelor- und Masterstudium) im Lohnsteuerjahresausgleich geltend zu machen? Ich habe gestern in einem TV-Beitrag von einer steuerlich absetzbaren Pauschale für das Bachelorstudium in Höhe von 6.000 € gehört….das Masterstudium als Zweitausbildung dann in voller Höhe.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir hier weiterhelfen könnten.
    Herzlichen Dank und freundliche Grüße

    Susanne B.

    • Hallo Frau B.,

      diese „Pauschale“ sind die oben genannten Sonderausgaben. Aber es ist keine Pauschale und Lohnsteuerjahresausgleich ist hier meines Erachtens auch nicht korrekt. Meinten Sie eine Einkommensteuererklärung? Bei der zweiten Ausbildung werden diese Sonderausgaben zu Werbungskosten und haben keine Begrenzung mehr. Und nachträglich ist eine Steuererklärung immer (naja, zumindest in diesem Fall). Die Frage ist nur, wie lange nachher in Ihrem Fall (4 Jahre mindestens). Vielleicht lohnt sich ein Termin bei einem Steuerberater?
      mfg
      Johannes Neumann

  6. Hallo, vielen Dank für Ihre Mühe. Ich bearbeite gerade meine EKSTerklärung 2013.Mein Sohn (27) hat letztes Jahr seine Bachelorarbeit mit einem monatlichen Entgelt von 500€ abgeleistet. 02.04.13-13.09.13.Mit Urlaubsgeld ca 2820€. Ansónsten keine weiteren Einnahmen,kein Kindergeldanspruch mehr. Bzgl Unterstützung bedürftiger Angh. folgende Frage:
    2824€ minus 624€ Freibetrag= 2200€
    Er ist mit dem PKW gefahren, einfache Strecke 60km.
    60*0,3€*100 Tage= 1800€. Kann diese Summe abgezogen werden und nur die Differenz von 400€ als eigenes Einkommen gewertet werden? Würde bedeuten 8130€ Grundbetrag + 1040€ KV – 400€ = 8770€ würden in meiner Steuererklärung steuermindernd betragen?
    Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus.

    MfG A. Bier

  7. Hallo habe auch eine Frage,
    ich bin 30 Jahre und studiere gerade im 6. Semester.
    ich habe schon vorher eine außerbetriebliche Ausbildung als Bürokauffrau abgeschlossen.

    Ich wohne noch bei meinen Eltern.

    Bekomme bis nächsten Monat noch Bafög.

    Hatte nur ein Jahr lang ein Nebenjob von monatlich etwa 150 Euro.
    Ich zahle keine Studiengebühren sondern ein Semesterbeitrag.

    Ich zahle schon seit dem Studium Krankenkasse und Pflegeversicherung selbst.
    Bzw meine Eltern unterstüzten mich und auch Unterhaltskosten.

    Können meine Eltern die Kosten für mich in Ihrer Steuer absetzen, wenn ja was genau?

    Danke im voraus

    mfg

    Luisa

  8. Hallo,
    ich habe eine Frage. Mein Mann ist Student, hat bereits eine nichtakadekische Ausbildung. ARbeitet nicht. Soll ich, da es ich ja dann um Werbeungskosten und nicht um Sonderausgaben handelt, nur extra für die Werbungskosten eine Anlage N für meinen Mann ausfüllen? also im Prinzip nur den Teil, der die Werbungkosten betrifft? Ich hatte in der ANfertigung der Erklärung bisher die KOsten trotzdem in voller Höhe als Sonderausgaben im Hauptvordruck angegeben…

  9. Hallo!
    Auf meine Anfrage vom 18.02.2014 habe ich leider noch keie Antwort erhalten!
    Wie sieht es nun aus, sind die Kosten in voller Höhe als Sonderausgabe abzugsfähig?
    Ich bitte um entsprechende Antwort!

    Gruß,
    Julia

    • Hallo Julia,

      das mit der Antwort wird sich leider auch nicht ändern. Die Informationen auf dieser Seite sind kostenlos und für viele mit Sicherheit auch nützlich. Eine Steuerberatung ist jedoch nicht kostenlos und ich bin aktuell noch nicht berechtigt, geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen zu geben, da ich kein Steuerberater bin. Möglicherweise lohnt sich jedoch ein Gang zu einem Steuerberater.

      Gruß zurück 😉

      Johannes

  10. Hallo Herr Neumann,

    Zählt zum Vermögen des Kindes/Studenten (welches nicht 15.500€ überschreiten darf) auch physisches Gold (Krügerrand Goldmünzen) im Wert von mehreren Tausend Euro?

    Beste Grüße
    Markus

  11. Komisch, Herr Johannes Neumann, in Ihrer Antwort am19.3.2014 an Julia schreiben Sie: …ich bin aktuell noch nicht berechtigt, geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen zu geben, da ich kein Steuerberater bin.

    Im Hinweis „Über den Autor“ heißt es aber: Ich bin Johannes Neumann, Steuerberater und Diplom-Kaufmann.

    Was stimmt denn nun?

    MfG
    Ralf-Rüdiger Engelhardt

    • Hallo Herr Egelhardt,

      tja, so ist das mit der Zeit. Alles unterliegt ständiger Veränderung – auch mein Status. Seit dem 28.03.2014 bin ich zum Steuerberater bestellt worden. Erst ab diesem Tag darf ich auch geschäftsmäßig Hilfeleistung in Steuersachen anbieten und leisten. Da der Blog demnächst wieder etwas aufleben soll und ein wenig im Design verändert wird, nehme ich Ihre Frage gleich mal als Punkt „inhaltliche Änderung“ mit auf.

      viele Grüße

      Johannes Neumann
      Steuerberater

  12. Sehr geehrter Herr Neumann,

    eine spezielle Frage:
    Ist es möglich Kosten der auswärtigen Unterbringung für ein studierendes Kind geltend zu machen, wenn es die Wohnung mit nutzt, welche von einem Elternteil als Zweitwohnung am Beschäftigungsort bewohnt und deren Kosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung geltend gemacht werden ?
    Ist es denkbar, dass das Finanzamt die geltend zu machenden Kosten der doppelten Haushaltsführung kürzt, wenn es feststellt, dass für die Zweitwohnung auch Kosten der auswärtigen Unterbringung des studierenden Kindes beansprucht werden ?

    Mit freundlichen Grüßen,

    Ralf

  13. Hallo Hr. Neumnann…..

    mein Kind ist 21 Jahre alt und wird ab den 1.9. in Köln studieren. Mein Kind wird bei mir den Erstwohnsitz behalten und sich in Köln als Zweitwohnsitz anmelden.Daher behalte ich das Kindergeld und die Steuerklasse 2. Meine Frage was kann ich alles von der Steuer absetzten? Da ich die Semester Gebüheren bezahle und die Unterkunft u.a. auch die Fahrtkosten.

    L.G. Sylvi

    • Hallo Herr Becker,

      ich weiß mit Ihrer Frage leider nicht viel anzufangen. Das ist steuerlich gesehen gut 😉 Denn Bafög zählt nicht zum steuerpflichtigen Einkommen. Auch der Darlehensanteil nicht. Maximal die Zinsen sind wieder interessant als Werbungskosten oder Sonderausgaben… VG Johannes Neumann

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