Gewerbesteuer – was kostet sie wirklich?

Gewerblich, freiberuflich – wo ist da der Unterschied? Bei der Gewerbesteuer? Genau um diesen Punkt geht es in diesem Artikel. Die Unterschiede können gar nicht vorhanden sein oder aber immens. Was ebenfalls interessant ist – die Gewerbesteuer an sich belastet den Steuerpflichtigen nicht in dem Maß, wie sie in ihrer Höhe ausfällt. Ein Großteil der Gewerbesteuer oder sogar alles wird auf die Einkommensteuerlast des Unternehmers angerechnet. Das kommt ganz auf den Hebesatz an. Hebesatz? – Ja, jetzt ist man schon mitten drin im Thema Gewerbesteuer. Ich will mal langsam anfangen. Zuerst kommt der Gewinn. Bei Einzelunternehmern und Personengesellschaften wird ein Freibetrag von 24.500 Euro abgezogen. Den Freibetrag gibt es also nur einmal. Dieser korrigierte Gewinn ist Basis für die Höhe der Gewerbesteuer. Wichtig! Die Gewerbesteuer ist eine Unternehmenssteuer und wird dementprechend auch vom Unternehmen gezahlt. Ein Unternehmer, der an mehreren Personengesellschaften beteiligt ist bzw. mehrere eigenständige Einzeunternehmen hat, kann somit auch mehrmals den Freibetrag in Anspruch nehmen. Seit 2008 ist die Gewerbesteuer keine Betriebsausgabe mehr. Bei einer einfachen Einnahme-Überschuss-Rechnung muss die Zahlung und bei Bilanzierern die Rückstellung und Zahlung wieder auf den Gewinn aufgeschlagen werden. Der Gewinn ohne Freibetrag wird den einzelnen Unternehmern zugeordnet, die Gewerbesteuer ebenfalls in dem Verhältnis wie der Gewinn.

So wird die Gewerbesteuer berechnet

Für die Berechnung der Gewerbesteuer benötigt man 3 Zahlen. Die erste Zahl lautet 3,5%. Die zweite Zahl ist der Hebesatz und ist je nach Gemeinde (jede Gemeinde kann den Hebesatz selbst bestimmen) unterschiedlich. Meist sind Hebesätze zwischen 380% und 460% normal. Die dritte Zahl ist 3,8. Diese Zahl ist jedoch erst im nächsten Abschnitt relevant, wenn es darum geht, wie viel Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angerechnet werden kann.

Jetzt geht es ans Rechnen: Man muss den Gewinn aus Gewerbebetrieb abzüglich des Freibetrages (und eventuell anderer steuerrechtlich notwendiger Korrekturen) mit 3,5% multiplizieren. Das Ergebnis ist die Gewerbesteuermesszahl. Diese Zahl wird vom Finanzamt beschieden, denn üblicherweise muss man nur dem Finanzamt seine Einkünfte erklären. Sollte also ein eventueller Einspruch gegen die gewerblichen Einkünfte erfolgen, kann man nur gegen diesen Bescheid beim Finanzamt Einspruch einlegen. Die Gemeinde kann anschließend einen Gewerbesteuerbescheid erlassen. Sie nimmt die Gewerbesteuermesszahl und multipliziert sie mit ihrem individuellen Hebesatz. Als Ergebnis kommt die Gewerbesteuer raus.

Wie viel Gewerbesteuer wird auf die Einkommensteuer angerechnet?

Jetzt ist die Zahl 3,8 interessant. Die Steuermesszahl (also der Gewinn mit 3,5% multipliziert) bzw. die anteilige Steuermesszahl wird mit dem Faktor 3,8 multipliziert. Die Zahl die jetzt heraus kommt, ist die maximal anrechenbare Gewerbesteuerlast auf die Einkommensteuer. Zwei Voraussetzungen müssen natürlich zwingend für die Anrechnung gegeben sein. Die Begrenzung der Gewerbesteuer ist auf der einen Seite bei der tatsächlich zu zahlenden Gewerbesteuer (das ist eigentlich logisch) und auf der anderen Seite bei der tatsächlich festgesetzten Einkommensteuer (das ist auch logisch). Man kann also einerseits nur die Gewerbesteuer angerechnet bekommen, die man auch bezahlen muss und maximal so viel, wie man überhaupt für die Einkommensteuer zahlen muss. Das führt je nach Konstellation mitunter zu Irritationen und zu merkwürdigen (möglicherweise als ungerecht empfundenen) Ergebnissen, da ein eventueller Überhang nicht in einen anderen Veranlagungszeitraum übertragen werden kann – ist aber verfassungskonform.

Wichtiges zum Schluss

Die Erklärung für die Berechnung der Gewerbesteuer und zur Anrechnung auf die Einkommensteuer gilt nur für den Standardfall. Es gibt in diesen Bereichen noch einige Regelungen zu beachten. Bspw. gibt es Ausnahmen bei einigen Personengesellschaften bzw. den Gesellschaftern (Stichwort: persönliche Haftung) und es werden vor der Anrechnung der Gewerbesteuer nach einer bestimmten Reihenfolge erst andere Anpassungen der festgesetzten Einkommensteuer durchgeführt. Als Pi-mal-Daumen-Regel kann man aber davon ausgehen, dass bei ca. 400% Hebesatz die komplette Gewerbesteuer angerechnet werden kann (sofern man Einkommensteuer zu zahlen hat). Zwei weitere Hinweise dürfen nicht fehlen. Die erste Konsequenz ist die Buchführungspflicht. Wenn man Gewerbesteuer zahlen muss, dann ist man buchführungspflichtig. In dem Artikel „Finanzbuchhaltung und Buchführungspflicht – was muss, was kann, was darf?“ weise ich auf einige Besonderheiten und den Umfang hin. Die zweite Konsequenz bei Gewerbesteuerpflicht ist, denn Steuern sind nicht alles, man wird meist zwangsweise Mitglied bei der IHK. Auch hier sind dann dementsprechend Beiträge zu zahlen, aber auch hier gibt es natürlich Freibeträge. 😉

3 Kommentare vorhanden in “Gewerbesteuer – was kostet sie wirklich?

  1. Pingback: Schriftsteller im Selbstverlag (books on demand) können gewerbesteuerpflichtig sein | Taxdocs Blog

  2. Viele Dank für die Informationen zur Gewerbesteuer. Bleibt festzuhalten, dass Gewerbesteuer ab einem jährlichen Gewinn aus dem Gewerbebetrieb von 24.500 € anfällt und dann die persönliche Einkommensteuer wieder so ermäßigt sodass die Gewerbesteuer mangels bedeutender steuerlicher Belastung nicht von großer Bedeutung für die meisten sein sollte.

  3. Pingback: Betriebsaufspaltung - was ist das? | Taxdocs Blog

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