Die Steueroase – wie funktioniert das?

In verschiedenen Beiträgen über Steuern nimmt man immer wieder mal das Wort Steueroase wahr. Doch was ist eigentlich eine Steueroase? Eine Oase ist laut Duden ein Stelle in einer Wüste mit einer Quelle bzw. Wasser. Rein logisch betrachtet müsste im Verständnis der meisten Bundesbürger Deutschland als Steueroase betrachtet werden. Denn hier gibt es von den Steuern reichlich und es werden immer mehr. Mit Steueroase ist also eigentlich eine Steuerwüste gemeint, denn das müsste theoretisch die Abwesenheit von Steuern bedeuten (und das soll eine Steueroase umgangssprachlich auch sein). Allerdings bedeutet auch eine Sandwüste nicht die Abwesenheit von Sand. Damit also in diesem Artikel keine Missverständnisse auftreten, will ich Ironie und Logik beiseite lassen und die allgemein übliche, jedoch unlogische Definition der Steueroase als ein Land, in der es nur ein „unterentwickeltes“ Steuerrecht gibt, beschreiben. Soviel zur Steueroase. In diesem Artikel geht es nun hauptsächlich um die Erklärung der sogenannten Steuervermeidungsstrategien von denen, die einfach Firmen in einem anderen Land gründen, um keine deutschen Steuern zu zahlen. Allerdings werde ich mich nur auf ein grobes, erklärendes Konstrukt beschränken (ich will ja keine Nachahmer animieren ;)).

Ausländische Einkünfte in der Steueroase und das Steuerrecht

Prinzipiell gibt das Einkommensteuerrecht in Deutschland vor, dass das gesamte Einkommen, welches ein in Deutschland unbeschränkt, steuerpflichtiger Bürger hat, in Deutschland zu versteuern ist. Das bedeutet, dass auch das in einer Steueroase „verdiente“ Geld prinzipiell in Deutschland zu versteuern ist. In Ländern mit einem weniger unterentwickelten Steuersystem (das ist da, wo man Steuern zahlt) ist es üblich, dass mit vielen Ländern eine Vereinbarung getroffen wird, damit die Unternehmen bzw. Privatpersonen, die ja generell willkommen sind, keine doppelte Steuerbelastung ihrer Einkommen haben. Solche Vereinbarungen werden gemeinhin Doppelbesteuerungsabkommen genannt. Deutschland hat sehr viele Doppelbesteuerungsabkommen mit sehr vielen Ländern. In diesem Vereinbarungen wird ganz konkret die Steuerhoheit in bestimmten Fällen definiert – also wann welches Land das Besteuerungsrecht hat und wie eine Doppelbesteuerung vermieden werden kann. Für Länder, mit denen kein Doppelbesteuerungsabkommen ausgehandelt worden ist, gibt es aus deutscher Sicht jedoch trotzdem die Möglichkeit, gezahlte Steuern anzuerkennen und anzurechnen (auf die Steuerlast) oder abzuziehen (vom Einkommen). Fest steht auf jeden Fall, dass alle nicht durch ein Abkommen steuerfrei gestellte ausländische Einkünfte in Deutschland besteuert werden. Steuerpflichtige, die nicht aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommen oder anderer steuerrechtlicher Gründe von der Steuerpflicht der Einkünfte aus der Steueroase befreit sind, begehen Steuerhinterziehung – das ist eine Straftat.

Das Grundgerüst der Steuersünder

In der Regel wird die Steuerhinterziehung in der Steueroase so abgewickelt, dass über Beratungsfirmen in der betreffenden Steueroase eine Scheinfirma gegründet wird. Diese Firma hat dort eine Postanschrift und wird häufig, aufgrund der Scheinaktivität, als Briefkastenfirma bezeichnet. Der Geschäftsführer dieser Firma ist meistens eine Person, die nur den Namen zur Verfügung stellt. Das bedeutet, es gibt eine Scheinfirma, es gibt einen Geschäftsführer (der keiner ist), es gibt ein Beratungsunternehmen (für die Gründung der Scheinfirma) und es gibt einen Eigentümer der Firma. Nach deutschem Recht muss der Eigentümer (in meinem Fall ist er unbeschränkt in Deutschland steuerpflichtig) die Einkünfte aus der Steueroase in Deutschland versteuern. Erste Frage: Woher stammen die Einkünfte?

Woher stammen die Einkünfte in der Steueroase?

Möglichkeit Nummer 1 – Kapitalerträge. Möglichkeit Nummer 2 – Erlöse aus Scheingeschäften mit der steuerpflichtigen und vom Finanzamt besteuerten Firma des Steuerpflichtigen. Die Möglichkeit 1 folgt eventuell der Möglichkeit 2. Wenn also genug Kapital in die Steueroase geleitet worden ist, können die Erträge ohne größeren Aufwand alleine wachsen. Diese Möglichkeiten sind natürlich nur 2 kleine. Man könnte ja der Meinung sein, sollte eine Betriebsprüfung Rechnungen aus dem Land einer Steueroase zu Tage fördern, dass der ganze Schwindel nun auffliegt. Aber was ist, wenn die Scheinfirma eine Tochtergesellschaft in einem weniger intransparenten Steuerland hat und diese ist vielleicht an einer weiteren Firma in einem nächsten Land beteiligt. Kommt von dieser Firma nun eine Rechnung an eine deutsche Firma, wie soll hier ein Steuerprüfer noch nachvollziehen können, dass am Ende der Kette eine Scheinfirma in einer Steueroase sitzt? Die gewinn- und steuermindernden Betriebsausgaben auf der einen Seite werden „durchgewunken“ und die Einnahmen auf der anderen Seite verschwinden irgendwo in einer Steueroase, die kaum oder gar keine Steuern erhebt.

Was passiert mit dem steuerfreien Geld in der Steueroase?

Tja, das ist ein interessanter Punkt. Der Volksmund hat früher einmal gesagt, „Die Leute mit Schwarzgeld sind die Ärmsten.“. Warum? Weil sie das Geld, welches sie nicht haben durften, natürlich auch nicht ausgeben konnten. Das konnte zu unangenehmen Fragen führen. (Wie kannst du dir den Pelzmantel leisten? Wer hat deinen teuren Sportwagen bezahlt? …) Hier gibt es natürlich immer noch Ansatzpunkte. Prinzipiell ist das „Waschen“ des Schwarzgeldes wieder eine äußerst heikle Angelegenheit. Wer jedoch ungebunden bzw. räumlich sehr flexibel ist (und das meine ich weltweit) oder einfach nur extrem reich wird diese Fragen vermutlich nicht gestellt bekommen. Eine andere Möglichkeit ist, sollte eventuell das deutsche Unternehmen einen steuerlichen Verlust machen, dann kann die Scheinfirma diesmal selbst einen Scheinauftrag bezahlen. Somit ist der Verlust ausgeglichen und schwarzes Geld gleichzeitig gewaschen. Schwierig wird es nur irgendwann für die Erben der Steuerhinterzieher. Das Geld aus der Steueroase muss, will denn der Erbe ein steuerehrlicher Bürger sein, nacherklärt werden. Es fällt zwar die Strafe weg, allerdings sind die Steuern, Zinsen und Strafzinsen zu zahlen – habe ich Erbschaftssteuer schon erwähnt? Keine wirklich nette Situation, in die der Erbe eines Steuerhinterziehers da gebracht wird. Der Erbe soll einerseits einen Großteil des Erbes ans Finanzamt zahlen und gleichzeitig den „guten“ Ruf des kürzlich verstorbenen, wahrscheinlich sogar geliebten Menschen zerstören.

Fazit Steueroase

Wie man es dreht und wendet, irgendjemand muss bezahlen. Es gibt bei meinen Ausführungen eine Menge Punkte, an denen man Steuerpflichtige, die in einer Steueroase eine Scheinfirma haben, ermitteln kann. Zur Zeit wird der Versuch unternommen, die Daten der Banken einfach zu nutzen um so Geldflussbewegungen in Steueroasen zu entdecken, zurück zu verfolgen und letzten Endes die Übeltäter festzusetzen. Immer mehr Länder wollen sich an so einem Datenaustausch beteiligen. Bei meinen Ausführungen habe ich jedoch bewusst nicht die Steuerlast in Deutschland oder die Steuergerechtigkeit in Deutschland im Gegensatz zur Steueroase angeführt. Das hilft meines Erachtens nicht weiter. Letzen Endes würde die Steuerbelastung jedes Einzelnen vielleicht sogar anders aussehen, wenn die Gelder aus der Steueroase versteuert würden. Die gesetzlichen und steuerrechtlichen Gegebenheiten sind in Deutschland nun mal vorgegeben und müssen dementsprechend eingehalten werden. Innerhalb dieses Rahmens kann man auch sehr erfolgreich sein. Abgesehen von der moralischen Sicht, das Entdeckungsrisiko steigt von Jahr zu Jahr. Wenn man unter Kriminellen ist, muss man damit rechnen, dass irgend ein Krimineller irgendwann unzufrieden ist und einen größeren Vorteil darin sieht, kriminelle Daten an Interessierte (z.B. Steuerfahnder) zu verkaufen. Es geht allen Beteiligten ja nur ums Geld. Die Vergangenheit und die aktuellen Geschehnisse bestätigen diese Einschätzung.

2 Kommentare vorhanden in “Die Steueroase – wie funktioniert das?

  1. Ich habe eine Verständnisfrage: Nehmen wir mal Apple als Beispiel.
    Apple verlagert seine Gewinne nach Irland und handelt dort mit dem Staat aus, nur mehr 2% statt 12% an Steuern auf Gewinne zahlen zu müssen. Möglicherweise mit einer Tochterfirma, die die Gewinne der Hauptfirma abgreift… u.s.w.

    Wie bekommt Apple jemals das Geld von dort wieder raus? Das Geld müsste enteder von der Scheinfirma direkt ausgegeben werden, oder aber wenn es retour wandert, als „Plus“ in den Billanzen der Hauptfirma wandern und somit wieder versteuert werden.
    Geld weg -> und sich selber in einem Land zahlen, dann wenig versteuern, verstehe ich. Aber wie geht der weg weiter?

  2. Hallo, ich denke erstmal, dass man grundsätzlich davon ausgehen sollte, dass apple keine Steuern hinterzieht. Warum sollten sie das auch tun? Das einzige, was sie machen, ist es, das löcherige internationale Steuerrecht auszunutzen. Das ist also etwas grundsätzlich anderes. Es ist völlig legal. Legales Geld aus dem Unternehmen herauszuholen, ist wiederum sehr einfach.

    Wie man es aber schafft, in dem einen Land mit niedrigen Steuersätzen hohe Gewinne zu erwirtschaften und in einem anderen Land mit hohen Steuersätzen niedrige Gewinne, das ist eine andere Frage. Ich würde mal sagen, die haben vor ihren Entscheidungen darüber nachgedacht… 😉

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