Schriftsteller im Selbstverlag (books on demand) können gewerbesteuerpflichtig sein

Schriftstellerische Tätigkeit ist grundsätzlich nicht gewerbesteuerpflichtig und unterliegt dementsprechend nicht der Gewerbesteuer. Schriftsteller gelten wie Ärzte, Steuerberater oder Rechtsanwälte als freiberuflich. Ein Vorteil der Freiberuflichkeit ist aber nicht nur Gewerbesteuerfreiheit. Bei Vorliegen einer schriftstellerischen, freiberuflichen Tätigkeit ist man ebenfalls nicht buchführungspflichtig – man kann seinen steuerlich relevanten Gewinn also ohne Bilanz erstellen und eine vereinfachte Einnahme-Überschuss-Rechnung zugrunde legen. In dem Artikel Finanzbuchhaltung und Buchführungspflicht – was muss, was kann, was darf?, habe ich eine kleine Übersicht erarbeitet, die den Unterschied grob verdeutlicht. Doch diese Einschätzung zur freiberuflichen Tätigkeit ändert sich, sollten die Bücher selbst verlegt werden. Dann entsteht eine gewerbesteuerpflichtige, schriftstellerische Tätigkeit. Die Gewerblichkeit des Verlagswesens bestimmt die Besteuerung der Einkünfte. In diesem Artikel zeige ich auf, ob tatsächlich jede Nutzung des Selbstverlages auch zwangsläufig Gewerbesteuerpflicht auslöst oder ob es Konstellationen gibt, die gerade nicht dazu führen. In dem Artikel „Gewerbesteuer – was kostet sie wirklich?“, habe ich die tatsächliche Belastung der Gewerbesteuer dargestellt, so dass im Zweifel eine Kalkulation von unterschiedlichen Vertragsformen mit den Selbstverlag-Anbietern einfacher ist.

Gewerbesteuerpflicht und der Selbstverlag

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Schriftsteller durch die Nutzung des Service „books on demand“, also Bücher auf Nachfrage, nicht mehr nur Schriftsteller ist, sondern auch Verleger. Durch diese Verlagstätigkeit sollte er eine größere Marge abschöpfen können, da er an einem größeren Anteil an der Wertschöpfungskette beteiligt ist, und dementsprechend wird der Schriftsteller somit gewerbesteuerpflichtig werden. Doch was zeichnet eine eigene Verlagstätigkeit denn aus? Bzw. andersherum gefragt, was macht denn die Nutzung des Selbstverlages aus steuerlicher Sicht zu einer nicht als freiberuflich anzuerkennenden Tätigkeit? Man kann das an den Unterschieden der Schriftsteller-Honorare und der Selbstverlag-Einnahmen erklären. Üblicherweise gibt es für den Schriftsteller eine Marge pro verkauftem Buch. Einerseits ist das Verhandlungssache, andererseits bestimmen natürlich auch die Kosten diese Marge. Als Ergebnis sind diese Einnahmen aus den verkauften Büchern aber als Einnahmen aus freiberuflicher, schriftstellerische Tätigkeit zu klassifizieren und dementsprechend nicht gewerbesteuerpflichtig. Ein Schriftsteller im Selbstverlag wird üblicherweise außer dem Buchdruck alle Tätigkeiten drumherum selbst wahrnehmen müssen. In unterschiedlichen Kategorien kann der Schriftsteller jedoch vom Anbieter des Selbstverlages klassische Verlagsbestandteile mitbuchen. Das sind bspw. Vertrieb, Layout und Lektorat. Jetzt wird es interessant. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Selbstverlag und dem Honorarvertrag bei einem herkömmlichen Verlag ist, dass der Verlag dem Schriftsteller gehört. Es gibt zwar absolut keine Anlagegüter oder ähnliches, sondern nur einen Anbieter, bei dem der Schriftsteller die notwendigen Tätigkeiten des Buchdruckes in Auftrag gibt, aber mehr nicht. Der wesentliche Bestandteil des Selbstverlages ist erfüllt – nämlich der Verlag und das „Selbst“ – und somit auch die Vorraussetzung, um die schriftstellerische Tätigkeit als gewerbesteuerpflichtig mit allen Konsequenzen einzuordnen.

Freiberufliche, schriftstellerische Tätigkeit im Selbstverlag

Viele Anbieter bei den sogenannten books on demand bieten auch die Möglichkeit, als typischer Schriftsteller einen „normalen“ Schriftstellervertrag zu bekommen und gerade keinen Selbstverlag zu haben. Jetzt kommt es auf die sonstigen wesentlichen Vertragsbestandteile an. Es kann natürlich möglich sein, dass der Vertrag so gestaltet ist, dass eine gewerbliche Tätigkeit trotzdem unterstellt werden kann. Im Zweifel sollte man hier den Rat eines Steuerberaters anfordern. Vielleicht hat der Anbieter auch ein entsprechendes Gutachten zur steuerlichen Behandlung anfertigen lassen? Meines Erachtens sollte in der Regel die Gewerbesteuerpflicht dann nicht mehr gegeben sein und die schriftstellerische Tätigkeit ist tatsächlich auch eine freiberufliche Tätigkeit mit den entsprechenden, steuerrechtlichen Konsequenzen. Sollte die schriftstellerische Tätigkeit freiberuflich und trotzdem im Selbstverlag stattfinden, dann ist man in einem Graubereich des Steuerrechts. Eine wesenliche Frage, die zur Feststellung der Gewerblichkeit bzw. Freiberuflichkeit führt ist die nach dem Hauptwesen der Tätigkeit. Ist der Vertrieb und die Produktion (die auf jeden Fall) oder andere Nebentätigkeiten komplett ausgelagert oder wird z.B. ein wesentlicher Verkauf von Büchern nicht über einen Dienstleister abgewickelt, sondern durch den Schriftsteller? Steht das Schreiben des Schriftstellers im Vordergrund? Werden lediglich E-Books produziert?

Der Selbstverlag – was muss beachtet werden?

Prinzipiell gilt, wer ein Buch im Selbstverlag druckt, begründet ein Gewerbe und muss dementsprechend beim Finanzamt und der Gemeinde (für die Gewerbesteuer zuständig) auch erfasst werden. In dem Artikel Existenzgründung in 3 Schritten habe ich einen schnellen Weg beschrieben, wie man den bürokratischen Akt vollziehen kann. Ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Schreiben und viel Erfolg beim Verkaufen 😉

19 Kommentare vorhanden in “Schriftsteller im Selbstverlag (books on demand) können gewerbesteuerpflichtig sein

  1. Sehr geehrter Herr Neumann,
    mit Interesse habe ich den o. g. Artikel gelesen. Allerdings wirft er für mich noch folgende Frage auf: Wenn ich ein Buch/e-Book schreibe, so bin ich in diesem Moment erst einmal Schriftsteller, falle also unter die freien Berufe. Wenn ich nun mein Buch beispielsweise bei Amazon o.ä. Anbietern einstelle und der Verkauf über die jeweilige Plattform geschieht, bin ich dann schon Selbstverleger, also Gewerbetreibender? Oder bin ich dieses erst in dem Moment, in dem ich mein Werk beispielsweise auf einer eigenen Webseite anbiete und verkaufe?
    Vielen Dank im Voraus. MfG

    • Ein Hallo zurück :),

      erst einmal danke für Ihr positives Feedback.

      Leider gibt es hierzu kein BMF-Schreiben der Finanzverwaltung zur Abgrenzung. Somit kann eventuell ein Steuerberater die mögliche Gewerblichkeit abschätzen, letzten Endes jedoch setzt das Finanzamt die Steuer fest – und die haben „manchmal“ eigene Vorstellungen. Da die Bedeutung vor allem der E-Books (die jedoch keinen Verlag im herkömmlichen Sinne benötigen) zunimmt, gibt es vielleicht in der künftigen Rechtsprechung entsprechende Abgrenzungen, an die sich die Finanzverwaltung dann halten darf. Mal schauen was da noch kommt…

      mfg

  2. Sehr geehrter Herr Stuckmann,
    ich möchte meine Antwort einmal mit des Juristen liebsten Satz beginnen. Es kommt darauf an, welche der beiden Tätigkeiten überwiegt. Ist es die schriftstellerische Tätigkeit ist eine Freiberuflichkeit gegeben, ist es der Vertrieb und der Handel mit den erstellten literarischen Werken wird es leider gewerblich. Eine Abgrenzung ist leider nicht generell daraus zu entwickeln und es kommt ganz entscheidend auf den Einzelfall an. Wie es der Herr Neumann schon festgestellt hat, fällt diese Unterscheidung auch die Bediensteten der Finanzbehörden nicht leicht hier Sachverhaltsangemessen zu entscheiden, da hier die unterschiedlichsten Interessen gegenüberstehen.
    Entscheiden Sie doch für sich einfach selbst, was Ihnen wichtiger ist, das Schreiben oder der Verkauf der Werke und bauen Sie sich hierzu eine passende Argumentation gegenüber der Steuerbehörde auf. Sollte es dennoch dort nicht erfolgreich für Sie ausgehen, dann trennen Sie doch einfach die beiden Tätigkeitsfelder organisatorisch voneinander, so dass der gewerbliche Teil der Gewerbesteuer unterfällt, jedoch die freiberuflichen Einkünfte nicht von dieser Besteuerungsart erfasst werden.
    Mit freundlichen Grüßen
    RA A. Wehle

  3. Wird ein Autor durch die Nutzung von create space von Amazon nun als Selbstverleger zum Gewerbetreibenden und wird hierdurch nicht schon die Impressumspflicht zum Stolperstein?

    • Ich bin selber freiberuflicher Autor. Ich habe im November mein erstes Buch über CreateSpace veröffentlicht. Jetzt habe ich Einnahmen. Diese muss ich mit einer EÜR beim Finanzamt angeben. In Kürze kommt mein nächstes Buch auf den Markt.
      Ich sehe mich als Autor!
      Muss ich mich jetzt wegen der Einnahmen zum Steuerfachangestellten oder Verleger ausbilden lassen????
      Das Ganze ist doch ein schlechter Scherz!
      Dann habe ich ja keine Zeit mehr zu schreiben!
      Catch 22 ?????

  4. Pingback: Selbstverlag mit CreateSpace von Amazon - JuraForum.de

  5. Hallo Herr Neumann, danke für die Einblicke. Bezüglich des Selbstverlags muss ich aber widersprechen. Ich habe mich in meinem Blog heute selbst mit der Abgrenzung nochmal beschäftigt und dafür diverse Finanzämter und Steuerberater befragt.
    Wer sein Buch über Amazon (KDP/Create Space) oder einen Distributoren (neobooks, Bookrix etc) verkauft, muss kein Gewerbe anmelden. Auch der „Selbstverlag“ wird in diesem Fall als freiberufliche Tätigkeit anerkannt.
    Anders sieht es aus, wenn die Einnahmen nicht mehr nur über den Buchverkauf generiert werden (siehe mein Artikel).

    Wer einen „echten“ Verlag gründet, muss natürlich auch ein Gewerbe anmelden. Wer „einfach nur“ schreibt und die Werke zum Verkauf anbietet, braucht das nicht.

    Viele Grüße
    Annika Bühnemann

    • Hallo Frau Bühnemann,

      ich bin ein wenig irritiert. Genau das habe ich damit eigentlich zum Ausdruck bringen wollen. Das Schreiben und Verkaufen über eine Plattform allein führt noch nicht zur Verlagstätigkeit. Eine unbeabsichtigte Gründung eines Selsbtverlages und somit Gewerbesteuerpflicht kann jedoch trotzdem vorliegen, wenn die wesentlichen Elemente einer herkömmlichen Verlgastätigkeit die freiberufliche, schriftstellerische Tätigkeit überwiegen. Das kann auch bei einer Self-Publishing-Seite passieren. Im Falle von E-Books (wie hauptsächlich in Ihren Beispielen), wo eine Vervielfältigung problemlos und „automatisch“ passiert, sind die Elemente „pro“ Verlagstätigkeit natürlich im Allgemeinen untergeordnet.

      viele Grüße zurück 😉

      Johannes Neumann

  6. Sehr geehrter Herr Neumann,

    vielen Dank für Ihre Einblicke und die kleinen Hilfestellungen, um Stolpersteine zu vermeiden. Ich hätte da allerdings noch einmal eine Frage, um mein Gewissen zu beruhigen.
    Gerade habe ich über eine Self-Publishing Seite im Internet meine eigene Kurzgeschichte veröffentlicht (laut amazon sind es ca. 14 Seiten auf einem E-Book, Preis: EUR 0,99). Nun habe ich mir abermals zur Sicherheit die AGB’s des Self-Publishing-Anbieters durchgelesen und bin unsicher geworden.
    Laut dieser AGB’s werde ich umsatzsteuerpflichtig, sobald ein Buch in den Verkauf geht, was ja auch verständlich und logisch ist. Nun stelle ich mir aber – sorgenvoll – die Frage, ob ich diesbezüglich irgendetwas unternehmen muss – mich mit dem Finanzamt in Verbindung setzen, etc. Natürlich habe ich nun große Bedenken und Sorgen, dass ich in irgendeiner Weise Steuern damit hinterziehe, wenn ich nichts unternehme.

    Vielen Dank für Ihre Hilfe.

    Mit freundlichen Grüßen

    Tanja Kimm

    • Hallo Frau Kimm,

      das kommt ganz darauf an. Sollten Sie selber, und nicht der Verlag – der Self-Publishing-Anbieter, Umsatzsteuer „in Rechnung stellen“ und dementsprechend auch an das Finanzamt zu zahlen haben, dann sollten Sie auf jeden Fall tätig werden. Sie können mich diesbezüglich gerne einmal anrufen.

      mit freundlichen Grüßen

      Johannes Neumann

  7. Sehr geehrter Herr Neumann,

    Ich bin jetzt ehrlich gesagt etwas verwirrt, ob ich als
    Autor nun ein Gewerbe anmelden muss oder nicht.
    Ich habe ein Buch geschrieben und es mit Hilfe über
    Books on demart veröffentlicht. Allerdings stellt der Verlag
    Die isbn Nummer, für die ich ja zahle und vermarktet meinen
    Roman im Internet und im deutschen Einzelhandel und natürlich
    Auch als E-Book.
    Da ich nur schreibe und der Verlag auch einen Teil von den verkauften
    Büchern bekommt und ich nur eine geringe Marge erhalte, stellt sich
    Mir nun die Frage, ist es nun als zweites Einkommen zu sehen oder als eine
    Selbständige Tätigkeit, die ich extra anmelden muss?
    Auch wenn die Marge lächerlich gering ist, weil es mehr ein Hobby
    Für mich ist und ich noch nicht so erfolgreich bin, dass man von der Marge leben könnte.
    Über eine hilfreiche Antwort von Ihnen wäre ich sehr dankbar.

    Mfg
    C Müller

  8. Hallo, also mein Finanzamt besteht für ein einziges E-Book auf eine Gewerbeanmeldung. Das Gewerbeamt sagte mir aber das sie das Gewerbe nicht akzeptieren würden, da ich eine freiberufliche Tätigkeit ausüben würde. Ich schreibe nur und wollte vertreiben lassen per Distributor.
    Vielleicht könnten Sie mir mit einem Telefonat etwas helfen?

  9. Hallo,
    meine Freundin hat ein paar Bücher geschrieben und lässt diese als ebooks über bookrix bei den verschiedenen Plattformen (Amazon, Kindle, etc) verkaufen.

    Das heißt Sie selbst verkauft die ebooks nicht, sondern das erledigt bookrix für sie.

    Muss sie deshalb ein Gewerbe anmelden? Muss man bei der Einkommenssteuererklärung hier etwas beachten? Habe was von Einnahmen/Überschuss-Auflistung gehört…

    Vielen lieben Dank!!

    mfg L. Sonne

  10. Wie sieht es aus, wenn ich ein Druckwerk, an dem ich im Wege der Erbfolge die Autorenrechte erworben habe, ohne Gewinnerzielungsabsicht nur mit dem Hintergrund der weiteren Verbreitung im Selbstverlag veröffentliche?
    Was wäre dann zu beachten?
    R.Klein

  11. Hallo Herr Neumann…und wie sieht es denn eigentlich mit der Sozialversicherung insbesondere der Rentenversicherung im Rahmen eines Selbstverlages aus ???

    Vorab vielen Dank
    Jerry

  12. Hallo Herr Neumann, meine Partnerin und ich haben jede ein Buchskript und wollen dies im Selbstverlag anbieten. Wir wurden vom Finanzamt als Selbständig/Freiberuflich eingestuft. Wir gründeten vorneweg eine GbR. Wie passt das nun zusammen?
    Können wir jetzt auch ISBN Nr. im Kontingent bestellen, obwohl wir kein Gewerbe haben.

    Vielen Dank und eine gute Zeit

    • Hallo zurück,
      so wie das für mich aussieht, gibt es also drei unternehmerische Tätigkeiten – Sie selbst, Ihre Partnerin und die GbR (der Selbstverlag – nehme ich an). Bei mehreren ISBN-Nummern (als Kontingent, anders als mehrmals einmal) ist eine Verlagsnummer – ergo auch ein Verlag – notwendig. Ein Verlag kann jedoch nicht freiberuflich sein. Ihr Fall ist damit möglicherweise kompliziert…
      Wenn Sie eine konkrete Antwort haben wollen, müssen Sie sich sicherlich von einem Steuerberater beraten lassen.

      Ich wünsche ebenfalls eine gute Zeit

      Johannes Neumann
      Steuerberater

  13. Hallo Herr Neumann,

    ich habe bereits einen Selbstverlag beim Finanzamt angemeldet. Jetzt möchte ich mein E-Book über Amazon KDP für ein paar Tage gratis anbieten. Desweiteren als Rezensionsexemplare bei Leserunden im Internet.

    Kann/darf ich die heruntergeladenen E-Books dann anschließend beim Finanzamt als Werbekosten gelten machen? Und falls ja, zum regulären Verkaufspreis? Oder ist das komplett anders?

    Bei einem gedruckten Buch könnte man dies glaube als Werbegeschenk / Rezensionsexemplar unter Werbekosten zum Herstellungspreis absetzen. Oder können das nur die ‚großen‘ Verlage?

    Ich habe leider darüber bisher nichts im Internet gefunden 🙁

    Vielen Dank vorab für Ihre Mühe.
    Kerstin

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