GWG-Sofortabschreibung oder Poolabschreibung?

Abschreibungen sind eine Sache für sich.Üblicherweise enthält das Steuerrecht spezielle Regelungen zur Abschreibung von Wirtschaftsgütern bereit.

GWG-Sofortabschreibung oder Poolabschreibung?

Pool oder doch nicht?
Quelle: Roland Bollinger/pixelio.de

Diese Regelungen müssen nicht zwangsläufig mit dem Handelsrecht übereinstimmen und können dementsprechend auch manchmal merkwürdige steuerrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. In diesem Artikel geht es um Wirtschaftsgüter mit einem Wert von maximal 1.000 Euro, das ist die Wertgrenze für die Pool-Bildung, GWG’s haben eine Grenze von 410 Euro. Dabei spielt die Umsatzsteuer generell keine Rolle, es handelt sich also bei dem Wert der Wirtschaftsgüter um Nettopreise. Einzige Ausnahme betrifft diejenigen Unternehmer, die die Vorsteuer nicht erstattet bekommen. Für die ist die Umsatzsteuer bei den GWG’s oder bei der Bildung des Pools mit einzubeziehen. Ausgangspunkt ist, dass bei dem Pool eine Abschreibung der Wirtschaftgüter über 5 Jahre, bei den GWG’s jedoch die Abschreibung zu 100% im Jahr der Anschaffung erfolgt. Da die Abschreibung gewinnmindernder Aufwand ist, sind somit verschiedene Szenarien zum Steuern sparen denkbar. In einem Jahr ist die GWG-Sofortabschreibung, in dem anderen Jahr möglicherweise die Pool-Bildung vorteilhafter. In diesem Artikel werden kurz die Wirtschaftgüter erklärt, die überhaupt in Betracht kommen und anschließend wird die steuerliche Vorteilhaftigkeit bei der Anwendung der beiden Abschreibungsmethoden „durchgespielt“. Generell ist jedoch zu beachten, dass für einen Veranlagungszeitraum (also das Wirtschaftsjahr) nur eine Methode genutzt werden kann – also entweder GWG bis 410 Euro oder Pool.

Was ist ein GWG?

Ein GWG ist ein geringwertiges Wirtschaftsgut, welches selbstständig nutzbar ist und den Betrag von 410 Euro nicht übersteigt. Umsatzsteuer bleibt üblicherweise außen vor. Wirtschaftgüter mit einem Wert von 150 Euro können generell als sofortige Betriebsausgabe abgezogen werden und müssen nicht aktiviert werden, auch nicht als GWG oder im Pool. Peripheriegeräte wie Drucker oder Monitor sind nicht selbstständig nutzbar. Entweder sind das Erhaltungsaufwendungen oder sie müssen zusätzlich zum Wirtschaftsgut Computer aktiviert werden. Auch ein normaler PC ist nicht ohne Monitor nutzbar. Wenn andere Peripheriegeräte mit angeschafft werden, die zu diesem PC dazu gehören, dann muss alles als ein Wirtschaftsgut aktiviert werden und kann dementsprechend nur zusammen als Wirtschaftsgut betrachtet werden. Liegt man immer noch unter 410 Euro (das wäre sehr unwahrscheinlich), ist es ein GWG und dementsprechend sofort abschreibungsfähig, bis 1.000 Euro wäre Pool möglich, über diesem Wert wäre nur noch die normale AfA (Abschreibung) machbar. Derzeit beträgt die offizielle AfA für Computer jedoch 3 Jahre. Grundsätzlich gilt jedoch – ich kann nur eines machen. Entweder GWG oder Pool oder normale Abschreibung. Das gilt für alle Wirtschaftsgüter im Bereich von 150 – 1.000 Euro und einem Veranlagungszeitraum.

Szenario 1: Sie erwarten einen hohen Gewinn

Die Devise lautet in diesem Fall – so viel Aufwand wie möglich generieren. Rechnen Sie nach. Wie hoch ist die maximale Abschreibung aller GWG zwischen 150 und 410 Euro? Zusätzlich kommt noch die normale AfA aller GWG zwischen 410 und 1.000 Euro. Diese Abschreibung bzw. Aufwand steht auf der einen Seite des Vergleichs. Auf der anderen Seite stehen 20% der Anschaffungskosten der GWG zwischen 150 und 1.000 Euro. Das entspricht der Abschreibung bei der Poolbildung. Je nachdem, welcher Wert höher ist, sollte die entsprechende Methode gewählt werden.

Szenario 2: Sie erwarten einen niedrigen Gewinn

Dieses Mal ist es eventuell umgekehrt. Durch einen wesentlich niedrigeren Gewinn können weniger Steuern gespart werden. Also sollte möglicherweise nicht die komplette Abschreibung durch die GWG-Sofortabschreibung sondern nur 20% Aufwand durch die Poolbildung genutzt werden. Vorher aber bitte wie bei Szenario 1 nachrechnen und beide Werte gegenüberstellen.

Fazit der Alternativen GWG-Sofortabschreibung und Poolbildung

Wichtig bei der Wahl der Alternativen GWG-Sofortabschreibung oder Pool-Abschreibung ist, dass man sich über die steuerlichen Konsequenzen bewusst ist. Bei einem Kleingewerbetreibenden mit einem Spitzensteuersatz lohnt sich generell maximale Abschreibung – er kann nicht mehr Steuern sparen, wenn er die Abschreibung in andere Veranlagungszeiträume verschiebt. Bei anderen Grenzsteuersätzen (der Steuersatz, der auf den letzen verdienten Euro fällig wird) lohnt sich vielleicht schon eher ein Blick auf mögliche Gewinnschätzungen und dementsprechend Steuerlasten. Es sollte auch der Blick über den Veranlagungszeitraum hinausgehen. Bei mehreren Gesellschaftern wird das ganze auch spannend, die Gesellschafter haben vielleicht unterschiedliche Interessen? Eventuell soll durch die Wahl GWG-Sofortabschreibung oder Pool-Abschreibung auch nur der Freibetrag für die Gewerbesteuer maximal ausgeschöpft werden? Im Endeffekt lohnt sich aber selbst bei solchen „Kleinigkeiten“ wie GWG’s oder Pool ein genauer Blick. Steuern kann man überall sparen…

Ein Hinweis zum Schluss noch – für Privatpersonen ist die Poolbildung nicht möglich. Hier ist nur die normale Abschreibung und die GWG-Sofortabschreibung möglich. In dem Artikel Steuern sparen zum Jahresende habe ich mögliche Strategien für eine Optimierung erklärt.

2 Kommentare vorhanden in “GWG-Sofortabschreibung oder Poolabschreibung?

  1. Es ist ein Gerücht, daß bei Steuerpflichtigen, die keiner USt-Pflicht unterfallen, die GWGs incl. USt. berechnet werden! Bei allen Steuerzahlern wird die Grenze vielmehr ausschließlich nach dem Nettopreis gemessen! Till

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