Kinderfreibetrag oder Kindergeld – was ist besser?

Erste Aussage dieses Artikels ist folgende: Ob das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag für eine steuerpflichtige Person in Anspruch genommen werden kann, wird im Rahmen der Einkommenssteuererklärung vom Finanzamt geprüft und bestimmt.

Kinderfreibetrag oder Kindergeld - was ist besser?

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Quelle: Rainer Sturm/pixelio.de

Man selbst hat also eher geringe Möglichkeiten, diese Entscheidung zu beeinflussen. Durch die Eintragung der Anzahl der Kinderfreibeträge auf der Lohnsteuerkarte wird ein eventueller Nachteil zumindest bei Soli und Kirchensteuer vorab beim Lohnsteuerabzug verhindert.

Die zweite Aussage dieses Artikels ist folgende: Der Kinderfreibetrag ist besser! ;) (Zumindest wenn man ein höheres Einkommen als besser einschätzt als ein niedrigeres Einkommen.)

Für alle, die jetzt noch interessiert, warum das so ist und ob denn Kindergeld und Kinderfreibetrag auch gleichzeitig sein können, wird dieser Artikel über den Kinderfreibetrag ein wenig mehr Licht ins Dunkel bringen.

Das Kindergeld

Üblicherweise wird in Deutschland für nahezu jedes Kind (ich werde Kind in diesem Artikel nicht näher erklären) Kindergeld bezahlt. Im Steuerrecht kommt es jedoch nicht darauf an, ob das Kindergeld tatsächlich gezahlt wurde, sondern nur, ob und in welcher Höhe man einen Anspruch darauf hat. Mehr braucht man hier nicht zu wissen.

Der einfache und der doppelte Kinderfreibetrag

Der Kinderfreibetrag ist eigentlich auch ein Kindergeld. Nur gibt es hier keine pauschale Zahlung. Der Kinderfreibetrag wird auch nicht von irgendjemandem als erhöhtes Kindergeld bezahlt. Er verringert lediglich die Steuerlast. Der Kinderfreibetrag ist ähnlich wie die Werbungskostenpauschale bei Angestellten vom Einkommen abzuziehen und beträgt zur Zeit 2.184 Euro. Zusätzlich kommt noch der Freibetrag für Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf in Höhe von 1.320 Euro dazu. Insgesamt versteht man die Summe der beiden Freibeträge als Kinderfreibetrag. Zum besseren Verständnis benutze ich ausschließlich den Begriff Kinderfreibetrag, der somit 3.504 Euro beträgt. Der doppelte Freibetrag beträgt dementsprechend 7.008 Euro. Wozu ist das wichtig? Wenn Sie verheiratet sind und zusammen veranlagt werden, bekommen Sie zusammen mit Ihrem Ehepartner den doppelten Freibetrag für ein Kind. Wenn Sie nicht verheiratet sind, bekommen Sie zusammen nur einen einfachen Freibetrag für ein Kind. Eine Ausnahme bei getrennt lebenden Eltern gilt, wenn nur ein Elternteil sich um das Kind “kümmert”. Original heißt es, wenn nur ein Steuerpflichtiger das Kind angenommen hat. Pauschal kann man sagen, dass für jedes Kind ein Kinderfreibetrag von 7.008 Euro zur Verfügung stehen, die auf beide Eltern bzw. nur einem von beiden verteilt werden. Sollte das Kind nicht im Januar geboren sein, so besteht der Anspruch auf Kindergeld bzw. auf den Kinderfreibetrag nur anteilig für jeden “angefangenen” Monat.

Die Zahl der Kinderfreibeträge als Lohnsteuerabzugsmerkmal

Die meisten Personen werden die Kinderfreibeträge höchstens als Zahl von der Lohnsteuerkarte her kennen. Da stand dann 0,5 oder 1,5 oder ähnliches. Diese Anzahl der Kinderfreibeträge verursacht folgendes. Die Lohnsteuer wird üblicherweise auf das Jahreseinkommen berechnet. Jetzt wird einfach die Anzahl der Kinderfreibeträge fiktiv für die Berechnung des Soli und der Kirchensteuer (nicht für die Lohnsteuer – das erfolgt erst bei der Einkommenssteuererklärung) abgezogen. Die fiktiv berechnete, geringere Lohnsteuer wird als Basis für die Kirchensteuer und den Soli herangezogen, die dementsprechend auch geringer sind. Ein kleiner Hinweis – die Kirchensteuer und der Soli berechnen sich aus der Lohnsteuer, nicht aus dem Einkommen. Bei Steuerklasse 1 und 2 gibt es pro Kind jeweils 0,5 mal Kinderfreibetrag (die 0,5 ist auf der Lohnsteuerkarte bzw. bei ElStAM zu sehen) und bei Steuerklasse 3 und 4 gibt es 1,0 mal Kinderfreibetrag. Wer bei den Steuerklassen durcheinanderkommt – in diesem Artikel habe ich noch einmal alle erklärt. Steuerklasse 5 und 6 haben keinen Kinderfreibetrag.

Die Praxis

Bei der Einkommensteuererklärung prüft das Finanzamt, wie hoch die Steuerlast einmal mit und einmal ohne Kinderfreibetrag ist. Die Differenz vergleicht es mit dem Kindergeld, auf das ein Anspruch besteht. Je höher der individuelle Steuersatz ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kinderfreibetrag günstiger ist als das Kindergeld. Die Differenz wird dann im Rahmen der Einkommensteuerrückerstattung an den Steuerpflichtigen gezahlt. Ein Beispiel?

Es gilt ein Kinderfreibetrag von 7.008 Euro bei einem Grenzsteuersatz von 42,5% (Das ist der Steuersatz auf den letzten verdienten Euro.). Das bedeutet, dass eine Steuerdifferenz in Höhe von 2.978,40 Euro als erster Wert ermittelt werden kann. Das Kindergeld beträgt üblicherweise für das erste Kind 2.208 Euro im Jahr. Somit ist die Steuerermäßigung günstiger als das Kindergeld – die Differenz wird an den Steuerpflichtigen als Einkommensteuerrückerstattung gezahlt.

Man kann auch sagen, ab einem Grenzsteuersatz von 31,5% lohnt sich der Kinderfreibetrag. Noch genauer ist diese Formulierung, ab einem durchschnittlichen Steuersatz von 31,5% auf die letzten 7.008 verdienten Euro ist der Kinderfreibetrag günstiger als das Kindergeld.

In einigen Fällen besteht die Möglichkeit, dass kein Anspruch auf Kindergeld besteht im Steuerrecht jedoch ein Kind anerkannt wird. In diesen Fällen kann man sich den Kinderfreibetrag als Steuerfreibetrag bei den ElStAM eintragen lassen.

14 Kommentare vorhanden in “Kinderfreibetrag oder Kindergeld – was ist besser?

  1. Ich bin seit 2011 getrennt lebend und habe in meinem Einkommensteuerbescheid 2011 keinen halben Kinderfreibetrag angerechnet bekommen. Ich habe aber auch kein Kindergeld bezogen, da mein Sohn bei seinem Vater wohnen geblieben ist?
    Ich verstehe das immer noch nicht.

    • Hallo Frau Komp,

      es besteht durchaus die Möglichkeit, dass Ihr “Anteil” übertragen worden ist. Ob das richtig ist oder nicht, kann Ihnen ein Steuerberater erklären. Es kommt wie immer auf die gesamte persönliche Situation an.

      mfg

      Johannes Neumann

  2. Den Artikel oben habe ich mit interesse und Gewinn gelesen. Von unseren 4 Kindern sind noch zwei unter 25 Jahren alt und in der Ausbildung. Für unsere jüngste Tochter Caroline wurde ab 08/2010 bis 04/2011 kein Kindergeld bezahlt, wogegen ich seinerzeit Widerspruch eingelegt und nach Zurückweisung des Widerspruchs Klage beim Hessischen Finanzgericht erhoben hatte. Gemäß einem Einigungsvorschlag des Einzelrichters (den ich dann nach kurzer Beratung mit meiner Frau angenommen hatte) wurde dieser Klage jetzt Anfang März 2013 für die Monate 08/2010 bis 12/2010 stattgegeben und für die Monate 01/2011 bis 04/2011 wurde die Klage von mir zurückgezogen. Ab 05/2011 und bis voraussichtlich Mai 2016 wird aber Kindergeld bezahlt.

    Für die Einkommensteuerberechnung 2011 befürchte ich nun, dass der Kinderfreibetrag für Caroline entsprechend gekürzt werden wird, obwohl wir—meine Freu und ich—selbstverständlich über den gesamten Zeitraum unterhaltspflichtig sind bzw. gewesen sind.
    Daher würde ich auf den letzten Satz in Ihrem Artikel oben zurückkommen wollen und hätte gern detailliertere Informationen über Fälle, bei denen zwar kein Anspruch auf Kindergeld bestand aber trotzdem der Steuerfreibetrag gewährt wurde.

    Mit herzlichem Dank im Voraus,

    Hans F. Lauppe

    • Mit Interesse habe ich nun Ihren Kommentar gelesen. Solch einen Fall wie bei Ihnen ist mir leider noch nicht in der Praxis “untergekommen”. Allerdings muss ich Ihnen, da mir laut Steuerberatungsgesetz die Hilfeleistung in Steuersachen nicht erlaubt ist, eine vermutlich weniger hilfreiche Antwort geben. Meine Quellen sind meist Steuergesetze, -Erlasse, -Richtlinien sowie verschiedenste Rechtsprechungen zum Thema. Da jeder Steuerberater üblicherweise einen Kommentar zum EStG hat (im Schnitt so einen halben Meter breit), wird Ihre Frage aber sicherlich im Rahmen einer Einkommensteuererklärung beantwortet werden können.

  3. Ich habe heute von meiner Personalabteilung einen Hinweis bekommen, das es bei mir eine Änderung in ElStAM gegeben hat. Ich habe nun einen halben Kinderfreibetrag eingetragen bekommen (obwohl das nicht von mir beantragt wurde), vorher hatte ich 0 Kinderfreibeträge (unser Kind ist 2011 geboren). Und eigentlich kann der halbe Kinderfreibetrag gar nicht richtig sein, da ich die Steuerklasse 3 und meine Frau die Steuerklasse 5 hat (arbeitet erst ab nächsten September wieder). Wo ist hier der Fehler und wie kann das wieder korrigiert werden?

  4. ich bin bald 2 facher vater und bezahle dann unterhalt, aber die kinder leben bei der mutter, kann ich eine andere steuerklasse beantragen , ich komm hier durcheinander danke…

    • Hallo zurück,

      gute Frage, da muss ich meinen Artikel wohl nachbessern. Das Kind ist steuerrechtlich natürlich nur dann Kind, wenn es auch auf der Welt ist, somit besteht der Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag natürlich auch nur anteilig pro Monat. Danke. ;)

      mfg

      Johannes Neumann

  5. Hallo. Hab eine Frage.. und zwar ich bin alleinerziehd und hab Einkommen im Jahr von 17000€.Habe 2 Kinder und Steurklasse 2 mit 1 Kinderfreibetrag. Was ist bei mir günstiger beim Steuer, Kinderfreibetrag oder Kindergeld? Bei meinem letzem Steuerbescheid wurde Kinderfreibetrag nicht eingerechnet….Weiss nicht ob es richtig ist, ob ich Einspruch einlegen sollte….Würde um ein Antwort freuen..Danke

    • Hallo, Kindergeld ist bei dir besser als Freibetrag! (da du nicht verhairatet bist und leider geringeres Einkommen hast, würdest du nicht viel Steuern sparen). Tschau

  6. Hallo, ich habs irgendwie immer noch nicht richtig verstanden. Wir haben einen Sohn 1.7.12 geboren.
    Ich bekomme durch meinen Arbeitgeber seither Kindergeld ausbezahlt, mein Mann hat auf seiner Lohnsteuerkarte einen Freibetrag von 1,0 eingetragen. Haben wir da jetzt einen Fehler gemacht oder steht uns bei der Einkommenssteuererklärung ein Rückzahlung bevor?

    Vielen Dank im voraus schon für eine Antwort.

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