Finanzbuchhaltung und Buchführungspflicht – was muss, was kann, was darf?

Gibt es einen Unterschied zwischen Finanzbuchhaltung und der Buchführungspflicht?

Finanzbuchhaltung oder Buchführungspflicht - was muss, was kann, was darf?

Finanzbuchhaltung
Quelle: Jahreis/pixelio.de

Die Pflicht, Bücher zu führen betrifft grundsätzlich jeden (außer Freiberufler), der in welcher Form auch immer nicht privat sondern unternehmerisch am Markt auftaucht. Für die kleineren Unternehmer gibt es jedoch Ausnahmen. Die müssen keine Bücher führen. Allerdings sind sie verpflichtet, Einnahmen und Ausgaben nachzuweisen und entsprechend zu dokumentieren. Somit besitzen auch die kleinen Unternehmer eine Finanzbuchhaltung, bewahren Belege auf, erstellen Belege und geben Steuererklärungen ab. Die Finanzbuchhaltung ist insofern jedoch keine Buchführung (eher eine kleine Schwester). In diesem Artikel beschreibe ich, welche Pflichten grundsätzlich (es gibt wie immer Spezialfälle wie bspw. die Land- und Forstwirtschaft) von jedem Unternehmer beachtet werden müssen, welche Pflichten nur größere Unternehmen betreffen und was passiert, wenn sich jemand freiwillig der Buchführungspflicht unterwirft obwohl er es nicht müsste.

Was ist Buchführung?

Eine Buchführung soll den Adressaten die tatsächliche Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens ermöglichen. Das geschieht üblicherweise über standardisierte Auswertungen. Um zu diesen Auswertungen zu gelangen, muss eine Buchführung üblicherweise in einem gewissen Rahmen mit identischen Bestandteilen ablaufen. Nur so kann bspw. auch ein Vergleich mit anderen Unternehmen bzw. anderen Jahren stattfinden. Steuerlich bedeutsam ist natürlich der Gewinn. Für eine genaue Analyse der Buchführung reicht dieser kurzer Artikel jedoch nicht aus. Allerdings reicht es aus, die wichtigsten Pflichten bzw. Möglichkeiten darzustellen. Grundlage für die Buchführung und die Finanzbuchhaltung sind nicht nur Gesetze wie die Abgabenordnung, das Einkommensteuergesetz oder das Handelsgesetzbuch. Genauso wichtig sind die GoB (Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung) bzw. GoBS (Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungsysteme). Demnächst werden daraus übrigens die GoBIT (Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beim IT-Einsatz).

Was ist Finanzbuchhaltung?

Die Finanzbuchhaltung ist die kleine Schwester der Buchführung. Üblicherweise verursacht die Buchführung mit all ihren Anforderungen auch Kosten. Für kleinere Unternehmen ist dieser Aufwand schwerlich tragbar. So gibt es bestimmte Erleichterungen in den verschiedenen Gesetzen. Beispielsweise muss bis zu einer bestimmten Größe eines Unternehmens keine Bilanz aufgestellt werden. In der steuerlichen Sprache werden diese kleinen Unternehmen meist auch 4-3-Rechner genannt. Diese Bezeichnung stammt aus dem Einkommensteuergesetz. In § 4 Absatz 3 ist die Erleichterung erläutert – daher der Name. Es ist jedoch möglich, freiwillig Bücher zu führen und die Finanzbuchhaltung dadurch aufzuwerten.

Die Konsequenzen der freiwilligen Buchführung

Wer freiwillig Bücher führt, ist auch verpflichtet, diese Buchführung bzw. aufgewertete Finanzbuchhaltung für die steuerlichen Belange zu verwenden. Die Konsequenz einer freiwilligen Buchführung ist somit auch die Unterwerfung des bilanziellen Gewinns der Steuer. Der Bilanzielle Gewinn unterscheidet sich hauptsächlich gegenüber dem 4-3-Rechner Gewinn aus der Finanzbuchhaltung darin, dass bei der erleichterten Variante nur die tatsächlichen Zahlungseingänge berücksichtigt werden und beim bilanziellen Gewinn aus der Buchführung auch bereits in Rechnung gestellte Lieferungen und Leistungen, die noch nicht gezahlt worden sind, den Gewinn erhöhen. Um jedoch ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, mit welchen Bestandteilen eine Buchführung existiert, mit welchen Bestandteilen eine Finanzbuchhaltung existiert und mit welchen freiwilligen Bestandteilen aus einer aufgewerteten Finanzbuchhaltung eine vollwertige Buchführung wird mit entsprechenden steuerlichen Konsequenzen, habe ich eine kleine Übersicht erstellt.

FinanzbuchhaltungFinanzbuchhaltung aufgewertetBuchführung
Eröffnungsbilanz+
GuV+
Anhang zur Bilanz+
Lagebericht+
Arbeitsanweisungen und sonstige Organisationsunterlagen(+)*+
Inventar(+)*+
Warenausgang(+)*+
Handels- und Geschäftsbriefe++
Wareneingang+++
Jahresabschluss+++ (Bilanz)
Bücher und Aufzeichnungen+++
Zollunterlagen+++
Buchungsbelege+++
sonstige steuerlich bedeutsame Unterlagen+++

* Ein vollständiger Warenausgang bzw. ein vollständiges Inventar kann zur Buchführungspflicht führen (dann muss auch eine Bilanz usw. erstellt werden), eine offene Posten Liste innerhalb der Finanzbuchhaltung (wer schuldet noch Geld, an wen muss noch etwas bezahlt werden) begründet jedoch keine Buchführungspflicht.

2 Kommentare vorhanden in “Finanzbuchhaltung und Buchführungspflicht – was muss, was kann, was darf?

  1. Pingback: Schriftsteller im Selbstverlag (books on demand) können gewerbesteuerpflichtig sein | Taxdocs Blog

  2. Pingback: Gewerbesteuer - was kostet sie wirklich? | Taxdocs Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.