Einkünfte mit Progressionsvorbehalt – wie wird das versteuert?

In den ersten Monaten eines jeden Jahres bekommen die meisten Menschen, die steuerfreie Einkünfte mit Progressionsvorbehalt im Vorjahr erhalten haben, einen Hinweis von demjenigen, der für diese Einkünfte auskunftspflichtig ist.

Einkünfte mit Progressionsvorbehalt - wie wird das versteuert?

Krankmeldung
Quelle: Matthias Preisinger/Pixelio

Beispielsweise stehen Entgeltersatzleistungen der Krankenkassen unter Progressionsvorbehalt. Sollten Sie also im letzten Jahr krank gewesen sein und von der Krankenkasse einen Lohnausgleich bzw. eine Entgeltersatzleistung erhalten haben, dann muss die Krankenkasse bis spätestens Ende Februar des Folgejahres dem Finanzamt mitteilen, in welcher Höhe diese Entgeltersatzleistung erfolgt ist. Was bedeutet eigentlich Progressionsvorbehalt, was hat das für Auswirkungen und welche Einkünfte fallen darunter? Diese Fragen soll dieser Artikel beantworten.

Progressionsvorbehalt – steuerliche Auswirkungen

Am einfachsten ist der Progressionsvorbehalt an einem Beispiel zu erklären. Angenommen ein Steuerpflichtiger (Steuerklasse 1, unverheiratet) hat im Jahr ein zu versteuerndes Einkommen von 20.000 Euro (also bereits nach Abzug von Werbungskosten und Sonderausgaben). Das bedeutet, dass er 2.701 Euro an Einkommensteuer zu zahlen hat (Stand 2012). Das ist somit ein Durchschnittssteuersatz von 13,55%. Zusätzlich zu seinem Einkommen hat er Arbeitslosengeld 1 in Höhe von 10.000 Euro erhalten. Arbeitslosengeld 1 steht unter Progressionsvorbehalt. Für den Steuersatz wird jetzt angenommen, dass der Steuerpflichtige nicht 20.000 Euro verdient hat, sondern 30.000 Euro. Bei 30.000 Euro hätte er theoretisch Einkommensteuer in Höhe von 5.625 Euro zahlen müssen. Der Durchschnittssteuersatz beträgt in dem Fall 18,75 %. Da Einkünfte, die unter Progressionsvorbehalt stehen, ansonsten jedoch steuerfrei sind, dürfen sie so nicht berücksichtigt werden. Zur Ermittlung der korrekten Steuerlast wird nun der Durchschnittssteuersatz der gesamten Einkünfte (18,75%) auf das zu versteuernde Einkommen von 20.000 Euro angewendet. Das wären in diesem Fall 3.750 Euro. Somit können steuerfreie Einkünfte also auch zu einer höheren Steuer führen. Klingt paradox? Prinzipiell bleibt festzuhalten, dass in unserem Beispiel knapp 2.000 Euro an Steuern gespart wurden (das ist also gut), aber steuerfrei waren die Einkünfte unter Progressionsvorbehalt nicht. Dafür klingt steuerfrei aber irgendwie gut. Interessant werden diese Einkünfte, wenn Sie z.B. ein so geringes z.v. Einkommen haben, dass Sie gar keine Steuern zahlen müssten, durch Hinzurechnung der Einkünfte mit Progressionsvorbehalt jedoch ein Steuersatz entsteht. Dann werden auch Steuern auf Einkünfte gezahlt, die unter dem Grundfreibetrag liegen.

Einkünfte mit Progressionsvorbehalt

Die folgende Aufzählung der Einkünfte. die unter Progressionsvorbehalt stehen, soll den größten Teil dieser steuerfreien Einkünfte abdecken. Den Anspruch auf Vollzähligkeit kann ich leider nicht abdecken, ich orientiere mich hier an der Übersicht des Einkommenssteuergesetz.

  • Altersübergangsgeld
  • Altersübergangsgeld-Ausgleichsbetrag
  • Arbeitslosenhilfe und -beihilfe (nach Soldatenvresorgungsgesetz)
  • Arbeitslosengeld 1 (inkl. Teilarbeitslosengeld aber nicht Hartz 4)
  • Arbeitslosenhilfe
  • Aufstockungsbeträge gem. § 3 Nr. 28 EStG nach dem Altersteilzeitgesetz (ATZG)
  • Eingliederungshilfe nach dem SGB 3 oder Arbeitsförderungsgesetz (AFG)
  • Elterngeld
  • Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz
  • Insolvenzgeld
  • Krankengeld (nicht von privaten Kassen)
  • Kurzarbeitergeld
  • Leistungen gem. § 10 SGB 3 (Lebensunterhalt)
  • Mutterschaftsgeld
  • Übergangsgeld nach AFG, Beamtenversorgungsgesetz (BVersorgG) sowie bei der Renten- und Unfallversicherung
  • Unterhaltsgeld aus Europäischen Sozialfonds
  • Verdienstausfallentschädigung
  • Versorgungskrankengeld (BVersorgG)
  • Vorruhestandsleistungen
  • Winterausfallgeld
  • Zuschläge und Zuschüsse (§ 421j SGB 3)

Einkünfte ohne Progressionsvorbehalt

Wie zu sehen ist, haben viele Entgeltersatzleistungen das Sozialgesetzbuch als Grundlage. Damit Sie aber auch einen Überblick der Einkünfte erhalten, die tatsächlich steuerfreie Einkünfte und ohne Progressionsvorbehalt sind, gibt es diese zweite Übersicht.

  • Überbrückungsbeihilfe
  • Erziehungsgeld
  • Krankengeld einer privaten Krankenversicherung
  • Zusatzentgelt für »Ein-Euro-Jobs«
  • Existenzgründerzuschuss
  • Arbeitslosengeld 2 (Hartz 4)
  • Wintergeld
  • Wohngeld

18 Kommentare vorhanden in “Einkünfte mit Progressionsvorbehalt – wie wird das versteuert?

  1. Ich habe in den Jahren 2010+2011 Steuern mit Proggressionsvorbehalt wegen Krankentagegeld aus einer privaten Krankenversicherung (Vollversicherung) gezahlt.

    Ist das korrekt?

  2. Ich habe ein Niederländischer Pension, und zahle normale Einkommens-Steuern in den Niederlanden. Ich bin verheiratet mit einer Deutschen Frau und wohne in Deutschland.
    Das Finanzamt sagt das meine Frau extra zahlen muss wegen Progressionsvorbehalt. Ich habe vor kurzem irgendwo gelesen dass dies nicht für Einkommen aus EU-Staaten gilt, und zwar seit 2008.
    Was ist hier die Wahrheit ???

  3. Guten Tag,
    Meine Frau und ich (steuerl. Zusammenveranlagung ) bezogen beide in 2013 Krankengeld. Ich zusätzlich Lohn.
    Beträge: Krankengeld zusammen ca. 21000 €
    Mein Lohn ca. 30000 €.
    Durch den Progressionsvorbehalt ergibt sich sicherlich eine Steuernachzahlung. Wie hoch fällt diese cirka aus?

    Vielen Dank für Ihre Bemühungen

    • Hallo,

      geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen ist mir, da ich noch kein Steuerberater bin, untersagt. Kostenlose Steuerberatung möchte ich ebenfalls nicht anbieten, wenn ich einer bin. Bitte klären Sie Einzelfallbezogene Fragen direkt mit Ihrem Steuerberater.

      mfg
      Johannes Neumann

  4. Hallo und schönen guten Abend.
    Ich habe da mal eine Frage zu meinem Steuerbescheid.
    Ich habe vom 01.2013- Ende Mai 2013 in der Schweiz gearbeitet und auch dort gewohnt.
    Nun wohne ich aber in Deutschland abreite aber noch in der Schweiz.
    Wie schaut das nun mit den Steuern aus. Den das was ich zahlen soll ist ziemlich hoch.
    Muss ich das Geld welches ich in der Schweiz bis Juni verdient habe und auch in der Schweiz versteuert habe nochmal in Deutschland versteuert?

    MfG leif

    • Hallo Leif,

      das hört sich merkwürdig an. Prinzipiell besteht mit der Schweiz jedoch ein Doppelbesteuerungsabkommen. Es sollten somit nur einmal Steuern anfallen. Genaueres kann Dir dazu ein Steuerberater sagen, wenn er den Sachverhalt nachvollzieht. Spätestens wenn eine doppelte Steuerzahlung ansteht, würde ich den aufsuchen. Sollte ein Progressionsvorbehalt existieren, dann werden zumindest auf deutsche Einkünfte Steuern fällig.

      mfg

      Johannes Neumann

      • Danke für ihre Antwort. Von einem progessiomsvorbehalt war die Rede.
        Also wird dann nur das Geld versteuert welches ich verdient haben als ich schon in Deutschland gewohnt habe.

  5. Hallo Herr Neumann,

    Ich bin Selbstständig und Habe im Jahr 2012 einen Gewinn von 7800 € und wäre damit unter dem Grundfreibetrag. Dazu bezog ich aber 1048 € Elterngeld. Durch den Progressionsvorbehalt wäre ich nun Steuerpflichtig. Meine Frage ist, worauf soll ich nun Steuern bezahlen? Auf den Betrag der über dem Grundfreibetrag liegt, oder auf meine vollen Gewinn von 7800 € der doch aber unter dem Grundfreibetrag liegt.
    Danke für ihre Antwort
    B. Kraus

  6. Hallo Herr Naumann,

    ich beziehe eine private BU-Rente seit 2010. Anerkannt wurde dies aber rückwirkend bis 2008, d. h. es wurde im Jahr 2010 für über zwei Jahre Rente nachbezahlt. Für diese Gesamtsumme von über 40.000,– € soll ich jetzt, zwar mit Progressionsvorbehalt, die Steuer im Jahr 2010 bezahlen.
    Ist das richtig oder kann man die BU-Rente nicht (nachträglich) auf die Jahre 2008 – 2010 aufteilen?
    Beste Grüße Peter

  7. Ich habe im Januar 2014 Kinderkrankengeld ausgezahlt bekommen. Dies war allerdings für einen Zeitraum im November 2013. Muss ich den Betrag für 2013 oder für 2014 angeben?

  8. Guten Abend Herr Naumann,

    ich kenne mich leider wenig in Punkto Steuererklärung aus und habe deswegen ein paar Fragen. Ich habe das komplette Jahr 2013 Arbeitslosengeld 1 erhalten. Muss ich eine Einkommenssteuererklärung machen und wenn ja, welche Auswirkungen hat das für mich? Im Jahr 2014 habe ich bis Mai gar keine Einkünfte (auch keine Ersatzleistungen etc.) und erst im Mai werde ich wieder eine Vollzeittätigkeit annehmen. Kann ich meine Beiträge zur Krankenversicherung, die ich im Moment privat zahle, in der Steuererklärung 2014 angeben? Wie gebe ich dann die ersten Monate 2014 an in denen ich gar keine Einkünfte hatte (Lebensgefährte hat mich versorgt)?

    Vielen Dank und beste Grüße

  9. Guten Tag!
    Ich lebe in Schweden, erhalte aber noch Übergangsbeihilfe (StKl III) von der Bundeswehr. Mein einziger Wohnsitz befindet sich in Schweden! Ich soll jetzt für das Jahr 2012 eine StErkl machen. An sich kein Problem, aber das deutsche Finanzamt möchte nun von meiner Frau auch die Einkünfte wissen, die sie erhalten hat von Ihren Arbeitgeber in Schweden bzgl. Progressionsvorbehalts. Sie hat schon 2012 in Schweden die StErkl gemacht.
    Das einzige was ich mit D noch zutun habe sind : die Übergangbeihilfe, anteilhaft KiGeld sowie eine private Krankenversicherung!
    Ist es richtig, dass ich es angeben muss die Einkünfte meiner Frau? und…was macht meiner Frau mit meiner StErkl zutun?! Muss ich jetzt mehr Steuer nachzahlen?
    MfG
    daniel

    • Hallo Daniel,

      hmm… Wohnsitz in Schweden und unbeschränkte Steuerpflicht in D? Das passt möglicherweise nicht zusammen. Bei Steuerklasse 3 und 5 ist eine Einkommensteuererklärung (für beide) Pflicht. Sollten Sie Hilfe benötigen, können Sie mich ruhig per Mail kontaktieren. Möglicherweise haben Sie aber noch einen eigenen Steuerberater vor Ort? Den können Sie diesbezüglich natürlich auch fragen.

      mfg

      Johannes Neumann

  10. Hallo,
    Ich hab im Jahr 2013 10.150 Euro Krankengeld
    5.750 Euro Alg 1
    Rückzahlung aus 2012/
    BU 18.000 Euro
    Frau Rente 2013 6.600 Euro
    Abfindung (Ich) 8.000 (angeblich steuerfrei)

    zusammen mit meiner Frau also insgesamt 48,500 Euro bezogen. Was kommt da ungefähr an Nachzahlung auf mich zu.
    Ich komme nicht so richtig mit dem Progressionsbehalt zurecht.
    Danke für die Antwort

    • Hallo,

      eine gute Frage für einen Steuerberater im Rahmen der Erstellung einer Einkommensteuererklärung… ;)
      Sollten Sie keinen Steuerberater haben, können Sie mich gerne einmal anrufen oder per Kontaktformular kontaktieren – dann rufe ich zurück.

      mfg

      Johannes Neumann
      Steuerberater

  11. Hallo Herr Neumann,

    Ich habe in 2010 für zwei Monate Arbeitslosengeld erhalten, habe einen Leistungsnachweis erhalten über 1.592,40 EUR. Mir liegt nun eine Entgeltbescheinigung von 3.156,00 EUR (Entgelt für Rentenversicherung)vor. Welchen Betrag muss ich in der Steuererklärung angeben? Vielen Dank im Voraus.
    Über kurzfristige Antwort wäre ich Ihnen dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen

    Kerstin

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