Pendlerpauschale ab 2012 – einige wichtige Änderungen

Die Pendlerpauschale hat sich geändert. Wenn Sie jetzt denken, dass sie angehoben worden ist, muss ich sie enttäuschen.

Pendler auf dem Weg zur Arbeit

Pendler im Verkehr
Quelle: carygrant/morguefile.com

Die Pendlerpauschale beträgt weiterhin 30 Cent je Kilometer. Wenn Sie keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, ist dieser Artikel vermutlich auch eher uninteressant. Denn für diejenigen Pendler, die mit dem Fahrrad, zu Fuß, mit dem Motorrad oder Auto zur Arbeit gelangen, änder sich bei der Pendlerpauschale nichts. Interessant wird es nur, wenn es auf der Wegstrecke vielleicht eine kürzere Verbindung, bspw. mit einer Fähre, gibt oder ein Teil des Weges mit öffentlichen Verkehrsmittel zurückgelegt wurde. Denn hier gibt es für den einen oder anderen eine möglicherweise unglückliche Überraschung.

Werbungskosten mittels der Pendlerpauschale

Die Pendlerpauschale von 30 Cent je Kilometer kann als Werbungskosten zumindest für eine Strecke zur regelmäßigen Arbeitsstelle anerkannt werden. Sollten Sie innerhalb eines Jahres (in der Regel 220 Arbeitstage) täglich 50 Kilometer zur Arbeit fahren, entstehen Ihnen durch die Fahrtkosten bei Ansatz der Pendlerpauschale (Sie können auch die tatsächlichen Fahrtkosten ansetzen, wenn das günstiger ist.) insgesamt 220 Tage x 50 Km x 30 Cent = 3.300 Euro an Werbungskosten. Diese Kosten vermindern Ihr Einkommen, auf das Sie Steuern zahlen müssen. Diese Regelung existiert schon eine Weile und ändert sich weder in 2012 noch in 2013. Eine Grenze für die Pendlerpauschale gibt es bei Nutzung des eigenen Autos nicht.

Kosten für öffentliche Verkehrsmittel

Wenn Sie mit der Bahn oder dem Bus zu Arbeit fahren, dann haben Sie ebenfalls die Möglichkeit, die Pendlerpauschale anzusetzen. Sie können jedoch auch die tatsächlichen Kosten (also Hin- und Rückweg) ansetzen, wenn diese höher sind. Sollten Sie höhere Kosten nicht nachweisen können, dann ist der Abzug von maximal 4.500 Euro zugelassen. Mehr nicht!

Änderungen ab 2012 – die kürzeste Verbindung

Jetzt wird es interessant. Wenn Sie einerseits mit Bus und Bahn zur Arbeit fahren, jedoch auch ihren PKW oder eine andere Möglichkeit nutzen, bei der sie nur die Pendlerpauschale ansetzen können, dann sollten Sie aufpassen. Aber zuerst einmal kommt die Fähre. Die Finanzverwaltung stellt klar, dass der kürzeste Weg zur Arbeit angesetzt wird, selbst wenn er nicht genutzt wird. Das bedeutet bei Vorhandensein einer Fähre, dass sich die Pendlerpauschale auch nur auf die Strecke mit Nutzung einer Fähre bezieht (Die Fährkosten können selbstverständlich ebenfalss angesetzt werden.). Das kann im Einzelfall ein erheblicher Unterschied sein. Sollte jedoch ein Umweg gemacht werden und dieser Umweg als verkehrsgünstiger angesehen werden, wird von dieser Regelung zugunsten des Pendlers abgesehen. Es stellt sich natürlich die Frage, warum man eine verkehrsungünstigere Arbeitsstrecke auf sich nimmt, wenn die wesentlich wertvollere Zeit sinnvoller als auf der Fahrt zur Arbeit zugebracht werden kann? Aber da gibt es offensichtlich auch andere Einschätzungen zu.

Änderungen ab 2012 – verschiedene Verkehrsmittel und Pendlerpauschale

Wenn Sie verschiedene Verkehrsmöglichkeiten nutzen, dann bekommt diese merkwürdige Regelung zur Pendlerpauschale jedoch Gewicht. Die Finanzverwaltung bietet dazu in einem BMF-Schreiben verschiedene Beispiele. Die kürzeste Verbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beträgt bspw. 100 Km. Bei 220 Tagen macht die Pendlerpauschale Werbungskosten in Höhe von 6.600 Euro aus. Sie fahren aber gar nicht die 100 Km mit dem Auto sondern „nur“ 30 Km bis zum nächsten Bahnhof. Vom Bahnhof bringt Sie ein Zug 80 Km bis zur Arbeitsstätte. Jetzt kann man nicht 110 Km Werbungskosten ansetzen, sondern einmal für 30 Km die Pendlerpauschale (1.980 Euro) und einmal 100 Km (kürzeste Verbindung) abzüglich 30 Km (bereits „verbrauchte“ Pendlerpauschale), also 70 Km (entspricht 4.620 Euro Pendlerpauschale). Da hier jedoch der Grenzbetrag von 4.500 Euro (öffentliche Verkehrsmittel) erreicht ist, können nur die 4.500 Euro zum Abzug gebracht werden. Für die erste Fahrt mit dem eigenen Auto gibt es keine Grenze – dieser Anteil der Pendlerpauschale kann als Werbungskosten dazu gerechnet werden. Insgesamt ist somit ein Abzug von 4.500 + 1.980 = 6.480 Euro Pendlerpauschale als Werbungskosten möglich. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass die Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel höher als die Pendlerpauschale waren, können diese angesetzt werden.

Änderungen ab 2012 – der Umzug

In einem Fall bietet die Finanzverwaltung jedoch ein merkwürdiges Beispiel zur Pendlerpauschale. Sollte innerhalb eines Jahres ein privater Umzug (kein Arbeitsplatzwechsel) stattgefunden haben und in einem Teil des Jahres der private PKW und im anderen Teil des Jahres öffentliche Verkehrsmittel genutzt worden sein, dann greift ebenfalls die Begrenzung der Pendlerpauschale von 4.500 Euro. In diesem Beispiel waren die teilweise anfallenden Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel höher als die entsprechend teilweise anzusetzende Pendlerpauschale. Weil die auf das ganze Jahr gesehen abzugsfähige Pendlerpauschale (ohne die Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel) jedoch bereits über 4.500 Euro lag, durften die tatsächlichen Kosten nicht mehr abgezogen werden. Die Pendlerpauschale muss somit in dieser Konstellation auch dann angesetzt werden, wenn sie ungünstiger ist.

8 Kommentare vorhanden in “Pendlerpauschale ab 2012 – einige wichtige Änderungen

  1. Sehr geehrter Herr Neumann,

    ihre Artikeln sind immer sehr verständlich und klar geschrieben, vielen Dank. Nun vermisse ich z.B. ein Hinnweis oder Erklärung zu der km-Pauschale für Linienbusfahrer und Kraftfahrer. So weit ich mitbekommen habe, darf die „doppelt“ abgerechnet werden. Ist das rischtig?

    Mit freundlichen Gruß
    Marina

    • Hallo und ein freundliches Danke zurück. 🙂

      Es stimmt, bei den öffentlichen Verkehrsmitteln sind die tatsächlichen Kosten anzusetzen, also Hin- und Rückweg. Habe den Artikel oben mal ergänzt, damit das deutlich wird. Danke für das freundliche Feedback.

      Johannes Neumann

  2. Sehr geehrter Herr Neumann,

    das Finanzamt will mir die Entfernungspauschale von 50 km auf 42 km kürzen, obwohl diese 50 km im Jahr 2011 nicht beanstandet wurden.
    Der Routenplaner weist meine einfache Strecke mit 43 km aus, dagegen mein Autotacho zeigt mir 49,6 km an.
    Ist denn wirklich der Routenplaner (der erhebliche Abweichungen – ständig weniger km aufzeigt)für das Finanzamt maßgebend?
    Gibt es zum Routenplaner prozentualen Spielraum (10%)?
    Vielen Dank im voraus.

    Mit freudlichen Grüßen
    Elisabeth

    • Hallo Elisabeth,

      eine Frage, auf die ich leider nicht antworten darf. (Steuerberatungsgesetz) Allerdings kann ich Ihnen empfehlen, einmal das Finanzamt anzurufen. Vielleicht lässt sich das dadurch ja relativ unbürokratisch und schnell lösen. Sollten Sie bereits einen Bescheid erhalten haben, würde ich mir an Ihrer Stelle einen Steuerberater zu Hilfe nehmen. Viel Erfolg wünsche ich,

      Johannes Neumann

  3. Hallo! Wie sieht es denn aus, wenn ich (der Liebe wegen) meinen Wohnort freiwillig um 300 km von meinem Arbeitsplatz, den ich behalten werden, verlegen werde? Bisher fahre ich 15 km einfach. Da würde ich mir am Besten eine 1-Zimmer-Wohnung zulegen und nur am Wochenende pendeln. Was gibt es denn da für Möglichkeiten bzgl. Pendlerpauschale und Zweitwohnsitz?

    • Bitte fragen Sie Ihren Steuerberater oder lassen Sie Ihre Einkommensteuererklärung durch einen Steuerberater machen. In einem ersten Gedanken würde ich jedoch sagen, erst die Liebe, und dann… naja, irgendwann einmal die Steuer. Falls Sie Sorge vor einer „Steuerfalle“ haben, lassen Sie sich vorab beraten.

      mfg
      Johannes Neumann

  4. Pingback: Mehrere Arbeitsstätten, Tätigkeitsstätten, Dienstverhältnisse und ihre Auswirkungen auf die Steuer | Taxdocs Blog

  5. Hallo,
    ab wann bekommt ,man die Fahrt zur Arbeit erstattet? Habe Fahrtkosten und da ich als Springer eingestellt bin habe ich verschiedene Km zu fahren Und zwar habe ich an 138 Tagen je einfache Fahrt 12 Km und an 45 Tagen 26 Km gefahren. Ich habe da ich meinem Ex Mann Anlage U unterschrieben habe eine Zahlungsaufforderung von 513 Euro zu zahlen, wäre diese Anlage U wäre ich mit +-0 rausgekommen. Warum bekomme ich nichts?
    Lgr Alexandra

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