Wieviel krieg ich von der Steuer wieder?

Finanzamt - Wegweiser

Finanzamt – Wegweiser
Quelle: Gerd Altmann/pixelio.de

Eine einfache Frage mit meist unterschiedlichen Antworten. Ich kann ebenfalls keine Antwort darauf geben – aber ich kann erklären, wie die Steuer berechnet wird. Für alle Profis und die, die bereits eine Steuererklärung machen – für Euch lohnt sich der Artikel wahrscheinlich nicht. Es tut mir leid… Für alle anderen werde ich jetzt die Augen öffnen 😉

Die Einkommensteuererklärung

Üblicherweise wird auf das Einkommen eine Steuer verlangt. Damit es nicht zu schwierig wird, werden alle Einkünfte (es gibt sieben unterschiedliche) in einem Kalenderjahr zusammengerechnet. Der Veranlagungszeitraum! Der Staat hat eine bestimmte Formel (die erklär ich nicht, nur soviel, wer mehr verdient, bezahlt mehr Steuern), über die sich die Politiker gerne streiten und anhand derer man die Steuerlast ausrechnen kann.

Grundvoraussetzung:

Es gibt ein positives Einkommen. (Wenn nicht wäre dieser Artikel hier interessant!) Der Bruttoverdienst oder die Addition dieser Werte auf der Jahressteuerbescheinigung ist die Ausgangslage. Alles, was man abziehen kann, wird hiervon abgezogen.

Was kann man absetzen?

Besser wäre die Frage, was kann man wovon absetzen? Denn einerseits gibt es z.B. Werbungskosten, andererseits Sonderausgaben, Freibeträge oder irgendwelche Pauschalen. Ich werde hier nicht ins Detail gehen, denn letzten Endes haben die Feinheiten immer mit Sonderfällen zu tun. Ich gehe davon aus, dass man insgesamt Steuern zahlen muss und somit ein positives Einkommen zu verzeichnen hat. Dann gilt prinzipiell der Grundsatz: Alles kann abgezogen werden! (Anders wäre es zu beurteilen, wenn dadurch ein Verlust entstehen würde – dann kann man nicht alles abziehen!)

Werbungskosten:

Werbungskosten sind die Kosten, die ich aufwenden muss, um mein Einkommen zu generieren. (Ein Hinweis: Ich schreibe im Moment für Privatpersonen, bei Unternehmern sieht es geringfügig anders aus.) Z.B. wenn ich morgens und abends mit dem Auto oder anderweitig zur Arbeit fahren muss. Um diese Kosten zu beziffern kann man 30 Cent pro Kilometer (in der Regel aber nur für eine Strecke) an Kosten vom Einkommen abziehen. Um das Prozedere zu vereinfachen, gewährt der Gesetzgeber jedem Arbeitnehmer eine Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro pro Jahr. Diese Pauschale ist in der Lohnberechnung bereits enthalten (die steht ja auch von vorneherein fest). Man muss keine Einkommensteuererklärung machen, wenn man „nur“ diese Pauschale will – die ist bereits abgezogen! Nur wenn man insgesamt über diese 1.000 Euro kommt, kann man explizit Werbungskosten aufschlüsseln, nachweisen und abziehen. Der Artikel, 10 Gründe für eine private Einkommensteuererklärung und ein paar Beispiele für Werbungskosten helfen vielleicht: Arbeitsmittel, Reinigung, Pendlerpauschale, Reisekosten, Verpflegungsmehraufwand, doppelte Haushaltsführung, Fortbildungskosten, Bewerbungskosten, die zweite (auf jeden Fall nicht die erste) Berufsausbildung, Umzugskosten, das Arbeitszimmer u.v.m.

Sonderausgaben:

Sonderausgaben sind Beiträge zu den Krankenkassen, Altersvorsorgebeiträge, Unterhaltsleistungen oder Beiträge zur Haftpflichtversicherung. Hier gibt es aber komplizierte Regelungen. Manchmal kann man nur einen Teil ansetzen. Der Großteil ist natürlich bereits eingerechnet, da die Sozialversicherung ja Lohnbestandteil ist. Vorsicht! Sollte vom Steuerpflichtigen der elektronischen Datenübermittlung seitens der Institutionen nicht zugestimmt sein, dann gelten Beiträge auch mit einem Nachweis als nicht geleistet. (Fragezeichen auf der Stirn? Sollte z.B. der Anbieter, bei dem Sie eine private Altersvorsorge besitzen, von Ihnen nicht die Erlaubnis haben, die Beiträge elektronisch dem Finanzamt mitzuteilen, dann werden diese Beiträge nicht berücksichtigt. Das kann man aber noch nachträglich erlauben.)

Außergewöhnliche Belastungen:

Hierzu habe ich bereits einen interessanten Artikel geschrieben, nämlich den hier: Ist die Sanierung eines Wohngebäudes steuerlich abzugsfähig? Für außergewöhnliche Belastungen kommen jedoch auch andere Gründe in Frage. Darunter zählen z.B. der Unterhalt einer Person (in besonderen Fällen), die Pflege von Angehörigen, Krankheitskosten oder kurz gesagt Aufwendungen, die anderen vergleichbaren Personen nicht entstehen und die man nicht beeinflussen kann – man ist ihnen quasi zwangsweise ausgesetzt. Natürlich hat jeder Mensch irgendwie immer etwas Außergewöhnliches. Deswegen hat jeder Mensch auch eine individuelle Belastungsgrenze (zwischen 1% und 7% des Bruttojahreseinkommens). Erst wenn er dort drüber kommt, wird die Belastung auch steuerlich als Belastung angesehen.

Spezielle Abzugsbeträge:

Als Schluss dieses kurzen Überblicks sollten ein paar spezielle Abzüge nicht fehlen. Es gibt noch einen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende oder einen Altersentlastungsbetrag. Kinderbetreuungskosten erwähne ich hier auch, weil sie ab 2012 Sonderausgaben darstellen. Vor 2012 waren es Werbungskosten (wenn beide Eltern gearbeitet haben) oder Sonderausgaben (bei ganz besonderen Umständen). Die Kinderbetreuungskosten wurden jedoch nicht in die Werbungskostenpauschale eingerechnet. Selbst bei weniger als 1.000 Euro Werbungskosten (der Gesetzgeber geht in diesem Fall von 1.000 Euro Werbungskosten aus), werden die Kinderbetreuungskosten noch zu 2/3 abgezogen (max. 4.000 Euro).

Ergebnis:

Wir haben jetzt also das Bruttoeinkommen abzüglich der Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und ein paar spezielle Abzüge berücksichtigt. Unterm Strich steht jetzt eine andere Zahl da als vorher. Jetzt kann man mit Hilfe der Formel die Steuern berechnen oder in die Einkommensteuertabelle schauen. (Die gibt es wie Sand am Meer für alle frei zugänglich.) Hier kann man die Steuerbelastung ablesen. Diese Zahl kann man mit der Steuerlast vergleichen, die auf der Jahressteuerbescheinigung steht. Die Differenz kann man im Rahmen einer Einkommensteuererklärung ausgleichen. (Wenn man nicht verpflichtet ist, sollte man nur eine Einkommensteuererklärung machen, wenn man auch tatsächlich etwas zurück bekommt.)

 

5 Kommentare vorhanden in “Wieviel krieg ich von der Steuer wieder?

  1. Pingback: Steuerklasse - 1,2 oder 3? oder 4 oder 5? | Taxdocs Blog

  2. Hallo Herr Neumann,
    erstmal ein Lob an dich. Dein Blog ist echt gut schrieben und wahrscheinlich auch leicht zu verstehen,wenn man ansatzweise Ahnung von Steuern hätte.
    Ich habe jeden Monat Abgaben von ca. 750 EUR – für dich wahrscheinlich ein kleiner Betrag – für mich eine menge Geld.Vielleicht habe ich die Möglichkeit auch anteilig etwas davon zurück zu holen. Ich habe sowas noch nie gemacht und würde es gerne probieren wollen. Vorausgesetzt es lohnt sich. Sollte ich einfach zu einem Steuerberater gehen? Oder kann ich selber in etwa ermitteln wieviel ich erstattet bekomme? Oder anders herum: Wieviel darf ein Steuerberater für seine Leistung fordern? Jeder erzählt mir etwas anderes. Vielleicht kannst du mir helfen. Ich verbleibe mit freundlichen Grüße und hoffe auf Antwort. Solongo Müller

    • Hallo Herr Müller,

      erst einmal Danke für das Feedback. 750 Euro sind für die einen wenig, für die anderen viel – darum geht es tatsächlich nicht. Unterscheiden muss man auch zwischen Sozialabgaben und Steuern. Nur die Steuer kann man in der Regel zurückerhalten. Sollten Sie bisher noch keine Erklärung eingereicht haben und keinen Steuerberater haben, sollten wir einmal telefonieren. Gerne können Sie mich auch über das Kontaktformular um einen Rückruf bitten.

      mfg

      Johannes Neumann
      Steuerberater

      • Vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich würde gerne mit Ihnen telefonieren. Bitte schreiben Sie mir eine Mail an meine angegebene E-Mail Adresse und wir können gerne miteinander telefonieren.

        ps. Ich bin eine Frau 🙂

        Mfg S.Müller

  3. Ich habe vom Steuerberater eine Rechnung über 210.-Euro
    bekommen.Habe laut Steuerbescheid 700.-Euro zurückerstattet bekommen.Mir kommt die Rechnung zu hoch vor.

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