Umsatzsteuer in der Cloud

die Cloud

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Quelle: Gerd Altmann / pixelio.de

Einige nutzen es, viele denken darüber nach, manche haben immer noch keinen Bezug dazu gefunden. Ich meine die Cloud. Was ist das eigentlich? Im Prinzip ist das nichts anderes als eine Speicherkapazität (häufig auch mit Software oder Programmen verbunden) irgendwo im Internet. Aus Umsatzsteuersicht stellt sich natürlich die Frage: Wo ist denn das Internet? Bzw. ist in diesem Fall die bessere Frage: Wo befindet sich meine Cloud? Wer zahlt die Umsatzsteuer, wer muss sie abführen? Benötigt man zur Nutzung vielleicht sogar eine UStID-Nummer? Ich hoffe, ich kann mit diesem Artikel ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Ich gehe dabei davon aus, dass der Nutzer dieses Dienstes (Cloud) ein typisches, deutsches Unternehmen ist und das an dem Ort des Servers keine Betriebsstätte des Nutzers entstanden ist. (Die Bemerkung mit der Betriebsstätte hat wesentliche Auswirkungen auf die Rechnungsstellung und die Umsatzsteuer – ob eine Betriebsstätte vorliegt oder nicht, muss im jeweiligen Einzelfall bewertet werden. In Kürze werde ich dazu noch einen weiteren Artikel schreiben.)

Wo ist die Cloud?

In welchem Land befindet sich die Cloud? Es sind nur 3 mögliche Konstellationen denkbar. Der Speicherplatz befindet sich in Deutschland, der Speicherplatz befindet sich in der EU (Vorsicht, Schweiz und Norwegen bspw. sind keine EU-Länder im Sinne des Gesetzes – diese Übersicht hilft weiter) oder der Speicherplatz befindet sich in einem Drittland. Das Drittland ist vereinfacht gesagt alles, was nicht EU oder Deutschland ist.

Wo sitzt der Unternehmer der Cloud?

Ebenfalls wichtig zur Klärung der Umsatzsteuer ist die Frage, wo der Unternehmer der Cloud sitzt. Wieder gibt es nur 3 mögliche Konstellationen – Deutschland, EU oder Drittland.

Umsatzsteuer

Je nach Kombination der oberen Fragen, ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen auf den Nutzer und die Umsatzsteuer. Ist die Leistung steuerbar, welche Umsatzsteuer ist zu zahlen und wer zahlt die Umsatzsteuer? Muss bei der Rechnungsstellung bzw. beim Erhalt etwas beachtet werden? Für einen schnellen Überblick habe ich eine Übersicht vorbereitet, zum Warmwerden sind zu Beginn jedoch drei einfache Beispiele aufgeführt.

1. Fall:

Ein Unternehmer aus Deutschland bietet eine „Cloud-Dienstleistung“ an, wobei der Speicherplatz in Deutschland liegt. Ergebnis: Die Dienstleistung ist steuerbar und steuerpflichtig, der Unternehmer weist in seiner Rechnung Umsatzsteuer aus und der Nutzer muss sie an den Anbieter zahlen. Der zahlt sie wiederum an das Finanzamt.

2. Fall:

Ein Unternehmer aus der EU bietet eine „Cloud-Dienstleistung“ an, wobei der Speicherplatz in der EU liegt. Ergebnis: Die Dienstleistung ist steuerbar und steuerpflichtig, die Schuldnerschaft der Umsatzsteuer liegt jedoch beim Leistungsempfänger. Das bedeutet, das deutsche Unternehmen (der Nutzer) bekommt eine „Nettorechnung“, meldet die Umsatzsteuer (und die Vorsteuer) dem Finanzamt und zahlt dem Anbieter den Nettobetrag. Wichtig! Der Anbieter muss zum Ausstellen der Rechnung wissen, dass eine Unternehmereigenschaft des deutschen Unternehmens vorliegt. Das Übermitteln der UStID reicht hierfür aus, sollte jedoch auch auf der Rechnung vermerkt sein.

3. Fall:

Ein Unternehmer aus einem Drittland bietet eine „Cloud-Dienstleistung“ an, wobei der Speicherplatz in einem Drittland liegt. Ergebnis: Es ist Einfuhrumsatzsteuer fällig. Die Schuldnerschaft liegt beim deutschen Unternehmer. Der wiederum kann natürlich Vorsteuer geltend machen. Auch hier ist es notwendig, dass der Drittlandunternehmer weiß, dass das deutsche Unternehmen ein Unternehmen ist (UStID).

Umsatzsteuer-Übersicht

Leistungsort


Anbietersitz
Deutschland



EU-Land



Drittland



DeutschlandDer Nutzer zahlt deutsche Umsatzsteuer, der Anbieter meldet diese Umsatzsteuer ans Finanzamt.Der Nutzer zahlt deutsche Umsatzsteuer, der Anbieter meldet diese Umsatzsteuer ans Finanzamt.Der Nutzer zahlt deutsche Einfuhrumsatzsteuer, der Anbieter meldet diese Einfuhrumsatzsteuer ans Finanzamt.
EU-LandDer Nutzer bekommt eine Nettorechnung und meldet die Umsatzsteuer (und Vorsteuer) an sein Finanzamt.Der Nutzer bekommt eine Nettorechnung und meldet die Umsatzsteuer (und Vorsteuer) an sein Finanzamt.Der Nutzer bekommt eine Nettorechnung und meldet die Einfuhrumsatzsteuer (und Vorsteuer) an sein Finanzamt.
DrittlandDer Nutzer zahlt deutsche Umsatzsteuer, der Anbieter meldet diese Umsatzsteuer ans Finanzamt.Der Nutzer bekommt eine Nettorechnung und meldet die Umsatzsteuer (und Vorsteuer) an sein Finanzamt.Der Nutzer zahlt deutsche Einfuhrumsatzsteuer, der Anbieter meldet diese Einfuhrumsatzsteuer ans Finanzamt.

Wie man sieht, kommt es bei der Umsatzsteuer also auf den Ort der Dienstleistung (der ist dort, wo der Server (die Cloud) ist) und auf den Ort des nutzenden Unternehmers an – hier ist es Deutschland. Ein genereller Hinweis, die Übersicht für den grenzüberschreitenden Verkehr gilt nur, soweit der Anbieter weiß, dass man als Unternehmer auftritt. Dazu reicht in der Regel die Mitteilung der UStID-Nummer (DExxxxxxxxx).

2 Kommentare vorhanden in “Umsatzsteuer in der Cloud

  1. Pingback: Betriebststätte durch die Cloud - ja, nein, vielleicht? | Taxdocs Blog

  2. Danke für den Artikel. Eine vielleicht blöde Frage zum 2. Fall. Wenn der Cloud-Anbieter eine Nettorechnung stellt, dann ist das eine Rechnung ohne MwSt-Angaben, nehme ich an.

    Was meldet der deutsche Unternehmer dann an Vorsteuer?

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