Werbungskosten und Kapitalerträge, geht denn das?

Kapitalerträge sind alle Einkünfte aus Kapitalvermögen, die unter §2 Abs. 1 Nr. 5 zu kategorisieren sind.  Also bspw. Zinserträge einer Festgeldanlage, Gewinne aus Wertpapierverkäufen, Spekulationsgewinne o.ä.

Seit 2009 gibt es in Deutschland für diese Gewinne die Abgeltungssteuer in Höhe von 25%. Der absolute Gewinnbetrag kann um den sogenannten Sparerpauschbetrag von aktuell 801 Euro reduziert werden. Dieser Sparerpauschbetrag ist als pauschalierter Werbungskostenabzug vom Gesetzgeber als einzige Möglichkeit geschaffen worden, Werbungskosten in Verbindung mit Kapitalerträgen zuzulassen. Das bedeutet, dass ich bei 1.000 Euro Zinsen „nur“ von 1.000 – 801 = 199 Euro Kapitalertragssteuer zahlen muss. Aber:

Prinzipiell gilt, dass der Gewinn (der Kapitalerträge) als Unterschiedsbetrag zwischen Anschaffungskosten auf der einen Seite und den Einnahmen der Veräußerung auf der anderen Seite errechnet wird. Das bedeutet, dass meine Transaktionskosten angerechnet werden. Da in der Regel das Finanzinstitut (Bank, Depotverwalter…) den Steuerabzug vornehmen muss, werden diese Abzüge automatisch berücksichtigt. Andere Aufwendungen, die eher indirekt mit den Kapitalerträgen in Verbindung stehen bzw. allgemein sind, dürfen nicht berücksichtigt werden. Zu nennen wären hier Depotgebühren, Zeitschriften, Telefon-/Internetkosten, Beratungskosten, Messebesuche u.ä.

Die Möglichkeit, die Einkünfte mit dem „normalen“ Einkommensteuersatz anstatt mit der Abgeltungssteuer zu besteuern besteht zwar (bitte eine Günstigerprüfung durchführen), einen weiteren Abzug von Werbungskosten, die über dem Sparerpauschbetrag liegen, lässt die Finanzverwaltung jedoch nicht zu. Möglicherweise geschieht das zu Unrecht. Sollten Sie von diesem Problem betroffen sein, sollten Sie gegen einen eventuellen Einkommensteuerbescheid Einspruch einlegen und sich auf die Musterklage des BdSt (Bund der Steuerzahler) berufen, die derzeit am FG Münster unter dem Aktenzeichen 6 K 607/11 F geführt wird.

Update: Die Klage 6 K 607/11 F gegen die Begrenzung auf Werbungskostenpauschale bei Kapitalerträgen wurde zurückgenommen und daraufhin am 01.12.2012 eingestellt.

noch ein Update: Das FG Baden-Württemberg hat entschieden, Werbungskosten in tatsächlicher Höhe in dem Fall zuzulassen, in dem der individuelle Grenzsteuersatz mit dem Sparerpauschbetrag bereits unter 25% liegt und somit eine Besteuerung mit dem persönlichen Steuersatz günstiger ist. Mal sehen, was der BFH dazu sagt… (FG Baden-Württemberg, Urteil v. 17.12.2012, 9 K 1637/10).

2 Kommentare vorhanden in “Werbungskosten und Kapitalerträge, geht denn das?

  1. Sehr geehrter Herr Neumann,
    genau von dem Urteil des FG Baden-Württemberg bin ich betroffen. Es wäre schon gut und gerecht, könnte ich bei meinen erheblichen Zinseinkünften auch die tatsächlichen Werbungskosten absetzen. Diese sind in meinem Fall schon erheblich und ich versteuere immer nach meinem persönlichen Steuersatz.
    Ich wäre Ihnen schon dankbar für eine Information falls sich die Rechtslage entsprechend ändert.
    Danke für Ihren Artikel und freundliche Grüße
    Roland Müller

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